Raina [am Ende ihrer Weisheit]: Aber was soll ich mit Ihnen anfangen?
Der Flüchtling [fährt taumelnd auf, von ihrer Verzweiflung aufgestachelt]: Natürlich, ich muß etwas tun. [Er schüttelt sich, rafft sich zusammen und spricht mit wiedergewonnener Kraft und Mut:] Sehen Sie, schläfrig oder nicht schläfrig, hungrig oder nicht hungrig, müde oder nicht müde—man kann eine Sache immer tun, wenn man weiß, daß sie getan werden muß. Gut denn, die Dachrinne muß hinabgeklettert werden. [Er schlägt sich mit der Faust an die Brust]: Hörst du das, du Pralinésoldat?! [Er geht an das Fenster.]
Raina [ängstlich]: Aber wenn Sie stürzen?
Der Flüchtling: Dann werde ich schlafen, als ob das Pflaster ein Federbett wäre. Leben Sie wohl. [Er tritt kühn an das Fenster und legt seine Hand an den Laden, da ertönt unten auf der Straße wieder eine entsetzliche Salve.]
Raina [zu ihm eilend]: Bleiben Sie! [Sie erfaßt ihn ohne Bedenken und reißt ihn zurück.] Man wird Sie töten.
Der Flüchtling [kühl, aber aufmerksam]: Das macht nichts und gehört eben zu meinem täglichen Beruf; ich muß es riskieren. [Entschlossen]: Nun tun Sie, was ich Ihnen sage: löschen Sie die Kerzen aus, damit man das Licht nicht sehen kann, wenn ich die Läden öffne, und halten Sie sich ja vom Fenster fern, was immer auch geschehen mag. Wenn die mich sehen, werden sie sicher nach mir schießen.
Raina [sich an ihn hängend]: Sie werden Sie ganz sicher sehen, der Mond scheint hell. Ich will Sie retten,,, Oh, wie können Sie nur so gleichgültig sein! Sie wollen doch, daß ich Sie retten soll, nicht wahr?
Der Flüchtling: Ich möchte Sie wirklich nicht länger stören. [Sie schüttelt ihn in ihrer Ungeduld]: Ich bin durchaus nicht gleichgültig gegen den Tod, verehrtes Fräulein, glauben Sie mir, aber was soll ich sonst anfangen?
Raina: Vor allem kommen Sie doch vom Fenster fort, ich bitte Sie. [Sie schmeichelt ihn in die Mitte des Zimmers zurück, er ergibt sich unterwürfig darein; sie läßt ihn frei und spricht gönnerhaft zu ihm]: Hören Sie, Sie müssen unserer Gastfreundschaft vertrauen; Sie wissen noch nicht, in wessen Haus Sie sich befinden—ich bin eine Petkoff.
Der Flüchtling [naiv]: Was ist das?