Raina: Ja, wir haben ein solches, das einzige in ganz Bulgarien.
Der Flüchtling: Wahrhaftig? Ein wirkliches Bibliothekzimmer? Das möchte ich aber gerne sehen.
Raina [geziert]: Ich sage Ihnen diese Dinge bloß, um Ihnen zu zeigen, daß Sie bei zivilisierten Leuten sind, nicht im Hause von ungebildeten Bauern, die Sie töten würden, sobald sie Ihre serbische Uniform gewahrten. Wir gehen jedes Jahr zur Opernsaison nach Bukarest, und ich habe schon einen ganzen Monat in Wien zugebracht.
Der Flüchtling: Das habe ich bemerkt, gnädiges Fräulein; ich habe sofort gesehen, daß Sie die Welt kennen.
Raina: Haben Sie jemals die Oper Hernani gehört?
Der Flüchtling: Ist das die, in der ein Soldatenchor und ein Teufel in rotem Samt vorkommt?
Raina [verachtungsvoll]: Nein.
Der Flüchtling [einen tiefen Müdigkeitsseufzer unterdrückend]: Dann kenne ich die Oper nicht.
Raina: Ich dachte, Sie würden sich vielleicht an die große Szene erinnern, in der Hernani auf der Flucht vor seinen Feinden—gerade so wie Sie heute nacht—in das Schloß seines erbittertsten Gegners, eines alten kastilianischen Granden, flüchtet! Der Edelmann verweigert seine Auslieferung, sein Gast ist ihm heilig!
Der Flüchtling [rasch, wacht wieder etwas auf]: Sind Ihre Angehörigen auch dieser Ansicht?