Katharina: Also, Sie sind nun nicht mehr Soldat, Sergius?
Sergius: Nein, ich bin nicht mehr Soldat. "Soldat sein", gnädige Frau, das ist die Kunst des Feiglings, erbarmungslos anzugreifen, wenn er die Übermacht hat, und weit vom Schusse zu bleiben, sobald er der Schwächere ist. Trachte, deinen Feind zu übervorteilen, und niemals, in keinem Falle, schlage dich mit ihm unter gleichen Bedingungen—das ist das ganze Geheimnis erfolgreicher Schlachten, was, Major?
Petkoff: Sie ließen uns zu gar keinem ordentlichen Gefechte Mann gegen Mann kommen. Indessen, ich vermute, daß das Kriegshandwerk ein Geschäft sein muß wie jedes andere Geschäft.
Sergius: Das ist es eben, aber mir fehlt der Ehrgeiz, als
Geschäftsmann glänzen zu wollen; deshalb habe ich auch den Rat dieses
Handlungsreisenden von Hauptmann befolgt, der den Austausch der
Gefangenen bei Pirot besorgte, und meinen Beruf aufgegeben.
Petkoff: Was, jenes Schweizers? Ich habe seitdem oft an diesen
Austausch gedacht, Sergius; er hat uns mit den Pferden übervorteilt.
Sergius: Natürlich hat er uns übervorteilt. Sein Vater ist Hotelbesitzer und Lohnfuhrwerker. Er verdankte seine ersten Erfolge seinen Kenntnissen im Pferdehandel. [Mit höhnischem Enthusiasmus]: Ah, das war ein Soldat, jeder Zoll ein Krieger! Wenn ich doch bloß die Pferde für mein Regiment vorteilhaft gekauft hätte, anstatt es töricht der Gefahr entgegenzuführen, ich wäre jetzt Feldmarschall.
Katharina: Ein Schweizer? Was hat der in der serbischen Armee zu schaffen gehabt?
Petkoff: Ein Freiwilliger natürlich, darauf erpicht, seinen Beruf auszuüben. [Lachend]: Wir wären nicht imstande gewesen zu kämpfen, wenn diese Fremden uns nicht gezeigt hätten, wie man es macht. Wir verstanden nichts davon, und die Serben auch nicht. Bei Gott! ohne die Ausländer wäre ein Krieg unmöglich gewesen.
Raina: Sind in der serbischen Armee viele Schweizer Offiziere?
Petkoff: Nein—alles Österreicher, so wie unsere Offiziere alle Russen waren. Das war der einzige Schweizer, dem ich begegnet bin. Ich werde nie wieder einem Schweizer vertrauen; er hat uns betrogen, beschwindelt, so daß wir ihm fünfzig gesunde Männer für zweihundert verdammte abgetriebene Pferde gegeben haben. Sie waren nicht einmal eßbar.