Sergius: Wir waren wie zwei Kinder in den Händen dieses erprobten
Soldaten, Major. Ganz einfach zwei unschuldige kleine Kinder.

Raina: Wie sah er aus?

Katharina: Aber, Raina, was für eine dumme Frage!

Sergius: Er sah aus wie ein Handlungsreisender in Uniform, Bourgeois vom Scheitel bis zur Sohle.

Petkoff [grinsend]: Sergius, erzähle die merkwürdige Geschichte, die sein Freund uns von ihm erzählte.—Wie er nach der Schlacht bei Slivnitza entkommen ist—erinnerst du dich? Zwei Frauen sollen ihn versteckt haben.

Sergius [mit bitterer Ironie]: Ja, ja, das ist ein ganzer Roman. Er diente in derselben Batterie, die ich so berufswidrig angegriffen habe. Da er ein ganzer Soldat ist, so lief er wie die übrigen davon, unsere Kavallerie auf den Fersen. Um ihrer Aufmerksamkeit zu entgehen, hatte er den geschmackvollen Einfall, sich in das Zimmer irgend einer patriotischen jungen bulgarischen Dame zu flüchten. Die junge Dame war entzückt von den gewinnenden Manieren dieses verkleideten Handlungsreisenden und unterhielt ihn sehr züchtig ungefähr eine Stunde lang und rief dann ihre Mutter dazu, damit ihr Benehmen nicht unmädchenhaft erscheine. Die alte Dame war gleichfalls bezaubert, und der Flüchtling wurde des Morgens, mit einem Rock des im Kriege abwesenden Hausherrn verkleidet, freundlichst entlassen.

Raina [erhebt sich mit großer Würde]: Ihr Lagerleben hat Sie verroht,
Sergius. Ich hätte nie gedacht, daß Sie es wagen würden, eine solche
Geschichte in meiner Gegenwart zu erzählen. [Sie wendet sich kalt ab.]

Katharina [sich gleichfalls erhebend]: Raina hat recht, Sergius. Wenn es solche Frauen gibt, uns sollte es erspart bleiben, von ihnen zu hören.

Petkoff: Bah, Unsinn! Was ist weiter dabei?

Sergius [beschämt]: Nein, Petkoff, ich war im Unrecht. [Zu Raina, mit ernsthafter Demut]: Verzeihen Sie mir, ich habe mich abscheulich benommen—verzeihen Sie, Raina. [Sie verneigt sich zurückhaltend]: Und auch Sie, gnädige Frau. [Katharina verneigt sich liebenswürdig und setzt sich. Er fährt feierlich fort, sich abermals zu Raina wendend]: Ich habe die Schattenseiten des Lebens während der letzten paar Monate kennen gelernt; da kann man weiß Gott zynisch werden, aber ich hätte meinen Zynismus nicht hierher mitbringen sollen, am wenigsten in Ihre Gesellschaft, Raina—[Dabei wendet er sich zu den anderen und ist sichtlich im Begriff, eine lange Rede vom Stapel zu lassen, als der Major ihn unterbricht.]