Sergius: Das schadet nichts. Sie haben meine Ehre angegriffen, indem
Sie mich zum Mitwisser Ihrer Spionage machten, und Sie haben Ihre
Herrin verraten.

Louka [sich windend]: Bitte!

Sergius: Das zeigt, daß Sie ein erbärmlicher, kleiner Klumpen Schmutz mit einer Bedientenseele sind. [Er läßt sie los, als ob sie ein unreines Ding wäre, und macht eine Bewegung, als ob er seine Hand von ihrer Berührung reinigte. Dann geht er nach der Bank an der Mauer, wo er sich niedersetzt, mit schwerem Kopfe, düster vor sich hinblickend.]

Louka [wimmert ärgerlich, mit der Hand auf dem Ärmel, und befühlt ihren schmerzenden Arm]: Sie verstehen es ebensogut, mit Ihrer Zunge zu verletzen, wie mit Ihren Händen! Aber jetzt liegt mir nichts mehr daran! Aus was für Schmutz ich auch sein mag, ich weiß, Sie sind aus demselben. Und was Ihre Braut betrifft, so ist sie eine Lügnerin, und ihre schönen Manieren sind Betrug; und ich bin mehr wert als sechs solche. [Sie verbeißt ihren Schmerz; wirft den Kopf zurück und geht an die Arbeit, den Tisch abzuräumen. Er sieht sie ein- bis zweimal zweifelnd an. Sie hat das Servierbrett vollgepackt und legt das Tischtuch an den Enden zusammen, um alles auf einmal hinauszutragen. Als sie sich bückt, um das Brett aufzuheben, steht Sergius auf.]

Sergius: Louka! [Sie bleibt stehen und sieht ihn trotzig an]: Ein
Edelmann hat nicht das Recht, einer Frau unter irgendwelchen
Umständen weh zu tun. [Mit tiefer Demut seinen Kopf entblößend]:
Verzeihen Sie mir.

Louka: Diese Art von Entschuldigung mag einer Dame genügen. Was soll sie einem Dienstboten?

Sergius [in seiner Vornehmheit sehr verletzt, lacht bitter auf, läßt sie fallen und sagt geringschätzig]: Oh, Sie wünschen bezahlt zu werden für Ihren Schmerz? [Er setzt seinen Tschako auf und nimmt etwas Geld aus der Tasche.]

Louka [gegen ihren Willen mit Tränen in den Augen]: Nein, ich wünsche, daß mein Schmerz gutgemacht werde.

Sergius [durch ihren Ton ernüchtert]: Wie? [Sie streift ihren linken Ärmel hinauf, umfaßt ihren Arm mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand und sieht herab auf den blauen Fleck; dann hebt sie den Kopf in die Höhe und blickt Sergius fest an, endlich mit einer prachtvollen Bewegung hält sie ihm den Arm zum Kusse bin; erstaunt sieht er bald sie, bald ihren Arm an, zögert und ruft dann mit vibrierendem Nachdruck aus]: Niemals! [und geht soweit wie möglich fort von ihr. Der Arm fällt herab. Ohne ein Wort und mit nicht gespielter Würde nimmt Louka ihr Servierbrett und nähert sich dem Hause, aus dem Raina eben hervortritt, mit einer Jacke und einem Hut bekleidet, ganz nach der Wiener Mode des vergangenen Jahres, 1885. Louka weicht ihr stolz aus und geht dann in das Haus hinein.]

Raina: Ich bin bereit. Was ist los? [Lustig]: Haben Sie am Ende gar mit Louka geflirtet?