Louka: Ich habe Raina nicht geschadet.

Katharina [hochmütig]: Raina?! [Raina ist gleichfalls empört über diese Frechheit.]

Louka: Ich habe das Recht, sie Raina zu nennen, sie nennt mich ja auch bloß Louka. Ich habe Major Saranoff gesagt, daß sie ihn nie heiraten würde, falls der Schweizer Herr jemals wiederkommen sollte.

Bluntschli [überrascht]: Was ist das?

Louka [wendet sich zu Raina]: Ich dachte, Sie hätten ihn lieber als
Sergius; Sie müssen am besten wissen, ob ich recht habe.

Bluntschli: Was ist das für ein Unsinn? Ich versichere Ihnen, mein lieber Major, verehrte gnädige Frau, Ihr reizendes Fräulein Tochter hat mir nur das Leben gerettet, nichts weiter; es war ihr niemals etwas an mir gelegen. Wie könnte das auch sein, um Gottes willen! Sehen Sie sich bloß einmal diese junge Dame an, und dann sehen Sie mich an! Sie: reich, jung, schön, ihre Phantasie voller Märchenprinzen und Heldentaten, Kavallerieattacken und weiß Gott was noch! und ich, ein gewöhnlicher Schweizer Soldat, der sich kaum mehr vorstellen kann, was ein geregeltes Dasein ist, nach fünfzehnjährigem Kasernen- und Schlachtenleben, ein Vagabund, ein Mann, der alle seine Lebensaussichten durch eine unverbesserliche romantische Veranlagung verdorben hat, ein Mann, der…

Sergius [auffahrend; wie von einer Tarantel gestochen unterbricht er Bluntschli mit ungläubiger Verwunderung]: Verzeihen Sie, Bluntschli: was, sagen Sie, hat Ihre Lebensaussichten verdorben?

Bluntschli [sofort]: Eine unverbesserlich romantische Veranlagung. Ich bin schon als Knabe zweimal von Hause durchgebrannt. Ich ging zur Armee statt in meines Vaters Geschäft. Ich kletterte auf den Balkon dieses Hauses, statt mich wie ein vernünftiger Mensch im erstbesten Keller zu verstecken! Ich kam hierher zurückgeschlichen, um diese junge Dame noch einmal zu sehen, wo jeder andere Mann in meinem Alter den Rock einfach zurückgeschickt hätte…

Petkoff: Meinen Rock?

Bluntschli:—Ja, Ihren Rock! Jeder andere würde ihn zurückgeschickt haben und wäre dann ruhig nach Hause gereist. Glauben Sie wirklich, daß ein junges Mädchen sich in so einen Menschen verlieben wird? Vergleichen Sie bloß einmal unser Alter—ich bin vierunddreißig! Ich glaube nicht, daß Fräulein Raina viel über siebzehn ist. [Diese Schätzung ruft eine bemerkbare Sensation hervor, alle wenden sich um und blicken einander an; er fährt unschuldig fort:] Dieses ganze Abenteuer, dessen Ausgang für mich Leben oder Tod bedeutet hat, war ihr bloß das Spiel eines Backfisches mit Schokoladenbonbons, ein Versteckenspiel. Hier ist der Beweis! [Er nimmt die Photographie vom Tisch.] Ich frage Sie: würde mir eine Frau, die unsere Begegnung ernst genommen hätte, das geschickt haben mit dieser Inschrift: "Raina ihrem Pralinésoldaten zum Andenken"? [Er hält die Photographie triumphierend in die Höhe, als ob er die Angelegenheit nun über allen Zweifel erhaben geschlichtet hätte.]