"Jawohl."

Die ändern gingen hinaus. Jetzt erzählte Andersen, daß er in seiner Kindheit einmal einem Jungen ein Bein gestellt habe mit eben dem Fuß, der jetzt krank sei. Gott werde ihn doch nicht etwa dafür jetzt strafen wollen? "Nein, nein!" — Er sei nun aber einmal auf den Gedanken gekommen, und fühle das Bedürfnis, das heilige Abendmahl zu nehmen. — Weiter liege nichts Besonderes vor? — Nein. — Der Pastor bat ihn, sich zu sammeln; sie wollten miteinander beten. Andersen schwieg und sie beteten. Nach dem Gebet erteilte ihm der Pastor die Vergebung der Sünden und wollte ihm das Brot und den Wein reichen. — "Nein, warten Sie noch ein bißchen! Vergebung der Sünde habe ich nun; jetzt ist die Tafel blank. Jetzt schreiben wir den Fuß darauf, damit man's im Himmel lesen kann. Ich fühle mich so froh, so von Herzen froh!"

"Der ganze Mensch ist mit in den Bund einbegriffen, lieber Andersen." — "Ja, aber diesmal verspricht unser Herrgott meiner Frau und meinen Kindern, daß mein Fuß wieder gesund wird. Jetzt kommen Sie!" Und er streckte die erfrorenen Hände aus.

Dem Pastor trat der Schweiß auf die Stirn. "Das kann ich nicht!" flüsterte er, völlig ohne Bewußtsein dessen, was er sagte.

Andersens Lippen bebten, die umwickelten Hände tasteten umher; er wollte sich damit in die Augen fahren, stieß jedoch auf den Verband. "Wir können nicht in Gottes Ratschluß eindringen!" sagte der Pastor. "Gesetzt, — das, was wir wollen, wäre unmöglich?" War es ein Etwas in des Pastors Stimme, oder war es der Widerstand an sich, was Andersen mißtrauisch machte?

Ohne zu antworten riß er sich den Verband von den Augen, richtete sich auf, ganz rasch, warf die Decke zur Seite und fiel wieder auf das Kassen zurück. Er faßte nach seiner Brust, schrie, er müsse ersticken, und fing an zu keuchen und zu röcheln; ein Blutstropfen war in die Lunge gedrungen.

Der Pastor hatte das, was er in Händen hielt, weggestellt und eilte nach der Tür, vor der der Hausmeister und die andern warteten; sie rannten zu Doktor Arentz und Doktor Kent; aber noch eh einer von ihnen kam, war Kallem zurück. Der Pastor war schon fort. In der Nacht starb Andersen.

6

Der Hausmeister war der erste, der es büßen mußte. Noch am selben Tag mußte er aus dem Hause.

Sodann ging Kallem hinunter zu Andersens Witwe. "Sie sind eine außergewöhnlich tüchtige Frau. Wenn Sie wollen, können Sie den Hausmeister- und Verwalterposten am Krankenhaus haben. Greifen Sie zu, packen Sie gleich morgen Ihre Sachen zusammen und ziehen Sie mit den Kindern hinauf. Dann denken Sie weniger an Ihren Kummer! Haben Sie ein gutes Dienstmädchen?" — "Ja." — "Nehmen Sie die mit. Mehr ist nicht nötig. Alles andere finden Sie dort oben, und die Schwestern werden Ihnen helfen."