Schon einige Tage vor dem Sonntag, da es den Kampf um die Erziehung des kleinen Edvard gab, hatte der Junge gehustet. Abends ging es ihm gar nicht gut, so daß er das Zimmer hüten mußte.

Nach einigen Tagen durfte er wieder hinaus und schien auch leidlich wohl zu sein; doch eines Abends war er wieder fiebrig und verdrießlich und hatte einen trockenen Husten. Die folgenden Tage mußte er wieder das Haus hüten. Weil er an die frische Luft gewöhnt war, wurde er weinerlich und verlor den Appetit; Josefine hatte viel Mühe mit ihm und wurde zuletzt streng. Der Junge jammerte — er wolle zur Großmutter! Das durfte er nicht. Als jedoch die Großmutter zu ihm herüberkam, war er eigensinnig und lief zum Vater. Von dort kam er weinend zurück: der Vater hatte ihm nicht erlaubt, die Bücher aus den untersten Fächern herauszunehmen und Häuser damit zu bauen.

Er wurde ins Bett gesteckt, heiß, aufgeregt; dabei klagte er über Stiche auf der rechten Seite der Brust beim Husten; nachts hatte er Fieberanfälle und phantasierte: Kristen Larssen lief mit einem großen Sack hinter den Jungens her und wollte sie in die Hölle schleppen.

Josefine doktorte mit Terpentinumschlägen an ihm herum; aber am Morgen, als der Pastor heraufkam, bat sie ihn, nach dem Arzt zu schicken.

Kent war ihr Hausarzt; er konnte erst gegen Abend vorsprechen, und da konstatierte er, daß der Junge eine Brustfellentzündung auf der rechten Seite hatte. Was Josefine angewandt hatte, war ganz richtig gewesen; er selber verordnete Diät und alle zwei Stunden eine Medizin und sagte, wenn die Temperatur 39 Grad übersteige, solle man ihn rufen lassen.

In den folgenden Tagen besserte sich das Befinden des Jungen; er aß und hustete weniger; Temperatur abends nie mehr als 38 Grad. Gott sei Dank!

So gering auch die Gefahr gewesen war — Tuft und Josefine hatten beide das Gefühl, als lege sich eine unsichtbare Hand mit leisem Druck auf ihre Schultern. Sie wandten sich ganz allmählich einander wieder zu und suchten Gelegenheit, miteinander zu sprechen — freilich nur über den Zustand des Kindes; aber durch Stimme und Wesen klang es wie eine Bitte um Verzeihung.

Der Husten und der Schmerz in der Seite ließen nach; das Befinden des Jungen besserte sich scheinbar; aber der Appetit wollte nicht recht kommen, das Fieber wollte nicht ganz weichen, und so nahmen auch die Kräfte nicht zu. Man kaufte ihm neue Spielsachen, die ihm einen Tag lang Spaß machten und ihn am nächsten schon langweilten. Die Märchen, die Vater und Mutter ihm abwechslungsweise erzählten, hörte er an, ohne dazwischenzufragen; den Besuch der Großmutter beachtete er gar nicht. Einmal war er plötzlich ganz heiß, dann fror er wieder. Am meisten beunruhigte es Kent, daß gegen Abend die Temperatur immer stieg; er fing an, Chinin zu geben, und legte eine spanische Fliege. Josefine wich nicht vom Bett und wollte von Ablösung nichts wissen; der Junge duldete auch nicht, daß andere ihm nahe kamen.

Aber es wurde besser, und eines Abends, als sie die Temperatur gemessen hatten, sagte der Pastor: "Ich glaube, wir kommen mit dem Schreck davon, Josefine!" Sie sah ihn an; er streckte seine Hand aus; sie legte die ihre flüchtig hinein, schien sich aber dessen zu schämen und zog sie gleich wieder zurück.

Doktor Kent hatte ihnen erzählt, Frau Kallem sei schwer krank und verlasse ihr Zimmer im Oberstock nicht mehr. Von anderer Seite hörten sie später, es sei Schwindsucht; sie fragten — jeder für sich — Doktor Kent; und er sagte, es sei sogar galoppierende Schwindsucht.