Dem Bleistift war es ordentlich unheimlich geworden neben dem „vornehmen“ Kerl da in seiner Nähe, und er wäre gern etwas seitwärts gerückt, wenn ihm das möglich gewesen wäre. „Mein Gott,“ sagte er, „Sie haben aber doch nichts weiter als Unglück angerichtet mit Ihrer Schönheit und Vornehmheit. Ich bin jedenfalls froh, daß ich nicht so vornehm bin wie Sie!“

„Je nun,“ entgegnete mit feinem Lächeln der Baron von Diamant, „was kann ich für die Torheit der Menschen! Es gab einen Mordsskandal, die ganze Geschichte kam wieder in die Zeitungen, und ich wurde noch berühmter als vorher. Die schöne Tänzerin aber kam auch ins Unglück durch den Tod ihres Freundes; sie mußte fort von dem herrlichen Theater, mußte mich verkaufen, kam in Not und ging außer Landes, wo sie ganz verarmt gestorben ist. – Schließlich aber kam ich zu meinem jetzigen Herrn, der mich in einen Ring fassen ließ, und da hat denn meine Geschichte ein Ende. Aber Sie sehen, die Welt hat mich geliebt und bewundert, und ich bin eine berühmte Person geworden und gehöre zu dem Vornehmsten, was es gibt.“

Der Bleistift antwortete nicht, er wußte nicht recht, was er sagen sollte, aber so recht ehrenhaft und wirklich vornehm kam ihm der Baron von Diamant, dessen Frau eine geborene Gräfin Perle war, nicht vor. Plötzlich aber wurde er aus seinem Sinnen aufgeschreckt, und auch der Herr von Diamant horchte erschrocken auf. Eine ziemlich grobe und harte Stimme sagte plötzlich aus der einen Ecke des Zimmers heraus:

„Lieber Herr, blasen Sie sich nicht auf, sonst zerspringen Sie noch! Das wäre zwar kein Unglück nach all dem Unheil, das Sie angerichtet haben, aber unser guter Herr würde sich vielleicht drüber ärgern!“

In der Ecke des Zimmers stand ein schöner Kamin mit blanken grünen Kacheln und vernickelten Türen, hinter denen man durch Marienglasscheiben die Kohlen glühen sah. Neben dem Kamin aber stand ein schönes Gefäß, in dem Steinkohlen lagen, und eine kleine Schaufel mit vernickeltem Griff lag dabei. Da merkten der Diamant und der Bleistift, daß es eine große, spiegelblanke Steinkohle war, die da gesprochen hatte. Und die fuhr fort:

„Drei Menschen sind Ihretwegen ums Leben gekommen, zwei andere ins Gefängnis und Unglück, und das alles wegen eines Nichtstuers und Tagediebes, denn das sind Sie, und wenn Sie noch so schön funkeln!“

„Mein Lieber, aus Ihnen spricht der Neid, daß ich einer vornehmen Familie entstamme und Sie ein Arbeiter sind, der Stuben heizen muß und einen schmierigen Rock anhat, so daß ihn selbst der Diener nur mit der Schaufel anfaßt!“

Die Steinkohle lachte im tiefsten Baß: „Hahaha! Sie eitler Wicht! Ich stamme aus derselben Familie wie Sie und wie mein Freund da, der Bleistift, und wir drei sind leibliche Brüder. Aber wir beide sind ehrliche Arbeiter geworden und Sie ein Müßiggänger, der die Eitelkeit der Menschen ausnützt!“

Brüder? Wieso Brüder?“ sagte unwillig der Diamant. „Wie kann ein Diamant der Bruder einer Kohle und eines Bleistiftes sein?