Der kleine hölzerne Gesell schwieg. Die Kerze war ihm zu hochnäsig und selbstgefällig. Da lag er in seiner winzigen hölzernen Bettlade und träumte vor sich hin.

Und dann ging die Sonne unter und die Nacht kam, und es war dunkel ringsum. Die Finken, die in den hohen Bäumen vor dem Hause gelärmt hatten, waren schlafen gegangen, und hinter dem mächtigen alten Kachelofen wisperten die Mäuse. Dann schlug die alte brummige Turmuhr neun, und da ging die Tür auf, und der junge Mann trat ins Zimmer.

Jetzt, dachte die Kerze und war so aufgeregt, daß sie an Herzschlag gestorben wäre, hätte sie eines besessen. Die Sonne ist schlafen gegangen, der Mond ist all diese Tage an Amerika verborgt, nun komme ich dran. Mein Licht allein leuchtet durch die Finsternis.

Da ergriff der junge Mann die hölzerne Lade mit dem Zündhölzchen. „Eines nur,“ meinte er, „hoffentlich tut es seine Schuldigkeit!“

Der Mann mit dem Holzbein aber stand kerzengerade zu Befehl, wie ein braver, guter Soldat von anno dazumal, und mutig ließ er sein Leben für die Pflicht.

„Leben Sie wohl!“ schrie er, als er mit seinem dicken Pulverkopf gegen die Reibfläche stieß, und dann puffte und zischte er und gab Feuer, denn das war sein Beruf. Schnell verkohlte er und zerfiel in Asche, aber die Kerze konnte das alles gar nicht beobachten, denn nun kam sie an die Reihe. Der junge Mann setzte ihr weißes Zöpfchen mit dem Zündholz in Brand, und das war der feierlichste Augenblick in ihrem Leben, denn nun strahlte sie ihr helles Licht aus und meinte, sie könne es mit der Sonne aufnehmen.

Der junge Mann, der die schöne Dame liebte, saß bis tief in die Nacht hinein und schrieb Gedichte, und dann seufzte er. Die Kerze aber wollte immer heller leuchten; ihr Zöpfchen wurde immer länger, und ihre Flamme flackerte. Da kam aber die große eiserne Lichtputzschere, sperrte ihren Rachen auf und sagte: „Nur keine Aufregung, Jungfer!“ Dann biß sie ein Stück von dem Zopf ab, und die Kerze fand das so empörend, daß sie dicke Tränen weinte. Aber die Lichtputzschere kümmerte sich nicht darum. Sie hatte ein Gemüt wie ein Fleischerhund. Sie lag breitbeinig und mit offenem Rachen zu Füßen der Kerze und wartete auf den nächsten Biß.

„Sie sind äußerst unliebenswürdig und verstehen nicht, mit Damen umzugehen,“ sagte die Kerze weinend, „hier zu meinen Füßen lag vorher ein alter Soldat; der ging für mich durchs Feuer und ließ sein Leben für mich. Aber Sie sind kein Kavalier.“

„Schnedderengteng! Hier herrscht Ordnung!“ meinte die Schere und klappte das Maul auf. „Ich tue hier meine Pflicht und damit basta! Damen mit langen Zöpfen werden hier nicht geduldet. Ich liebe die langen Flammen nicht; mein Herr auch nicht. Damen dürfen nicht rauchen. Sie haben aber eben geraucht, gequalmt sogar, Verehrteste. Und nun hören Sie auf zu weinen, sonst kriegen Sie die Abzehrung und sterben bald.“

„Meine Verwandte war ein hohes Kirchenlicht, mein Bruder der ...“