Aber schon kam ein neuer Freier daher! Das war eine Pferdemücke. Entsetzlich dünn und langbeinig, eng geschnürt wie ein Gardeleutnant und mit roten Stielaugen im Kopfe. Sie schnurrte immer rundum um die Kerze und tat sehr verliebt.

„Herrgott,“ sagte die, „was für ein dünner Schneider! Ein gräßlicher Kerl! Ich mag ihn nicht um einen Wald voll Affen! Da muß ein ganz anderer kommen!“

Die Pferdemücke war, geblendet durch die Flamme, in das Tintenfaß geraten, hatte sich die Flügel gefärbt und kroch nun über das Schreibpapier des Dichters, einen langen Strich mit Tinte hinter sich ziehend. Da wurde er ärgerlich und warf sie in weitem Bogen zum Fenster hinaus.

„Nun werden Sie eine alte Jungfer,“ schnauzte die Schere. „Der eine ist Ihnen zu dick, der andere zu dünn. Ja, denken Sie vielleicht, es kommt ein Prinz?“

Aber wirklich, da kam ein Prinz! Ein niedlicher bunter Falter mit einem blauen Seidenmantel und schwarzem Samtkragen. Er hatte zarte Fühlhörnchen, umtanzte die Kerze und wisperte so fein, daß man es kaum hören konnte. Zudem war es eine fremde Sprache, die keines im Zimmer verstand. Der bunte Fremdling machte der strahlenden Kerze seine tiefsten Verbeugungen. Vielleicht hielt er sie wirklich für die Sonne. Ihr Licht und ihre Wärme lockten ihn, er war geblendet von ihrem Glanz und umschmeichelte sie mit seinen surrenden bunten Flügeln.

Die Kerze fühlte sich äußerst gehoben. Stolz stand sie da. Endlich ein eleganter junger Herr, dachte sie, und strahlte noch einmal so hell.

„Junger Mann,“ brummte die Lichtputzschere, „hören Sie auf einen alten Knasterbart, der das Leben kennt, und machen Sie, daß Sie fortkommen, sonst gibt’s ein Unglück! Ich sah schon manchen Ihresgleichen ein Ende nehmen. Er verbrannte sich die Frackflügel an der Flamme und mußte zu Fuß nach Hause gehen, oder es ging ihm wie jenem dicken Nachtschwärmer, der an der Kerze hängen blieb und elend mit ihr versengte.“

Der kleine bunte Fremdling aber hörte nicht. Er taumelte um die Kerze, und sie lockte ihn mit ihrem Strahlenlächeln.

„Das Leben ist doch schön!“ sagte sie. „Nun liebt mich auch jemand so, wie der junge Mann, der dort sitzt und Gedichte schreibt, das Fräulein liebt.“

Da zuckte sie plötzlich erschreckt zusammen. Es gab einen kleinen Puff, und der bunte Schmetterling fiel auf den Tisch nieder, gerade neben die Lichtputzschere. Er hatte die Kerze küssen wollen, und richtig verbrannte er sich dabei die Flügel. Da lag er nun und schnurrte unbeholfen, und das schöne Spiel war aus.