„Ach du lieber Gott,“ brummte das Herz, „er ist noch unzufrieden obendrein! Neulich ist er in der größten Hitze mit mir auf einen hohen Berg hinaufgerannt. Es war eine schreckliche Geschichte, und ich habe mich abgerackert, daß ich glaubte, es gehe mit mir zu Ende. Schließlich ging es aber nicht mehr, und als er immer schneller lief und immer mehr von mir verlangte, da setzte ich einen einzigen Schlag aus. Da wurde mein Herr ganz furchtbar aufgeregt und schimpfte immerfort, daß er ein so schlechtes Herz habe. Da sehen Sie, daß es ein undankbarer Herr ist.“

„Sind Sie auch aus Metall?“ fragte die Uhr.

„Nein,“ entgegnete das Herz, „und es ist ein Glück, denn da wäre ich schon lange hin. Ich bin aus lauter Muskeln und Häuten zusammengesetzt, die halten besser wie Stahl und Eisen!“

„Aber wenn Sie nun einmal repariert werden müssen!“ meinte die Taschenuhr. „Wenn Sie zum Uhrmacher müssen, der Ihre Räder ausbürstet und eine neue Feder einsetzt, was macht Ihr Herr dann?“

„Alles nicht nötig,“ brummte das Herz, „Räder und Federn habe ich nicht, und ich repariere mich ganz allein. Einmal aber war mein Herr mit mir bei einem Manne, der Menschen reparieren kann. Er hatte eine große Brille auf der Nase und sagte meinem Herrn auf lateinisch, was ihm fehle. Dann horchte er mit einem Rohr auf meinen Schlag, und mein Herr mußte eine große Flasche voll bitterer Tropfen trinken. Der Magen war sehr ärgerlich darüber, denn er sagte, ihn gehe die ganze Geschichte gar nichts an.“

„Seien Sie froh,“ sagte die Uhr, „daß der Uhrmacher nichts mit Ihnen zu tun hat. Es ist eine schreckliche Geschichte. Alle Glieder werden einem da auseinandergerissen, man kommt unter die Bürste, sie stochern mit eisernen Haken in den Eingeweiden herum, zwicken und zwacken, und ein scharfes Ding kratzt an einem herum, daß die Späne fliegen. Der Herr bezahlte drei harte Taler und schimpfte, und der Doktor sagte, ich sei eine alte Knarre und hätte einen verbeulten Zylinder.“

„Pumpen Sie auch Blut?“ sagte das Herz.

„Gott soll mich bewahren,“ wisperte erschreckt die Uhr. „Ich bin aus purem Golde, aber das ist nicht die Hauptsache, das ist nur eine Äußerlichkeit. Ich habe ein reiches Innenleben. In mir geht es zu wie in einer Mühle. Da dreht ein Rad das andere, und die Hauptsache ist, daß ich pünktlich bin. Pünktlichkeit ist die beste Höflichkeit, sagt mein Herr, und er wird fuchsteufelswütend, wenn ich mich mal verspätet habe. Ich bin aber so gewissenhaft und laufe dafür am nächsten Tage wieder etwas schneller, aber das ist ihm auch wieder nicht recht. Die Menschen sind undankbar und wissen nicht, was sie wollen.“

„Was mahlen Sie denn in Ihrer Mühle?“ fragte das Herz.

„Gar nichts mahle ich, ich mache Zeit!“