Es dauerte nur einen Augenblick, dann war die gefährliche Erscheinung vorüber, aber der Professor war sehr erregt, antwortete nicht auf die stürmischen Fragen seiner Begleiter. Er untersuchte sorgfältig jeden Teil der Maschine, und erst als er sich überzeugt, daß sie keinen Schaden gelitten, atmete er erleichtert auf.
„Alle Teufel,“ sagte er, sich die weißen Haare krauend, „das war eine schlimme Geschichte! Eigentlich hätte ich darauf vorbereitet sein müssen, aber etwas vergißt man halt immer!“
„Und was war es?“ fragte der Vater.
„Es waren Meteorsteine, wie sie zu Millionen durch den Weltenraum ziehen. Die kleineren von ihnen sieht man häufig am Himmel der Erde als schnelle Fünkchen dahinfliegen. Wir nennen sie ‚Sternschnuppen‘, die großen aber sehen wir selten, sie leuchten wie Raketen auf, und sprühend fallen sie als Stein- und Eisenmassen zur Erde. In jedem Museum kann man solche Meteorsteine liegen sehen. Hätten sie die Fenster unsrer Gondel zerschlagen, so wäre es um uns geschehen gewesen, denn wir wären erstickt.“
„Erstickt? Weshalb das?“
„Ja nun, der Weltenraum ist vollkommen luftleer. In großen Stahlflaschen, die im Boden der Gondel liegen, habe ich den Sauerstoff, die Lebensluft, von der Erde für unsere Reise mitgenommen, und sie strömt langsam hier aus und erhält uns am Leben. Wäre aber die Gondel zerschmettert worden von den Meteoren, so wären wir im luftleeren Sternenraum erstickt!“
Da merkten die beiden Mitreisenden erst, daß es doch gar keine so ungefährliche Vergnügungsreise war, die sie unternommen, und ein bißchen bänglich wurde ihnen nun doch, wenn auch die Gefahr glücklich vorüber war.
Inzwischen waren sie dem Monde bedeutend näher gekommen. Als mächtige Scheibe, auf der man schon allerlei Einzelheiten sah, schwebte das bleiche Nachtgestirn über ihnen, und sie fuhren mit märchenhafter Geschwindigkeit darauf zu.
„Wie weit ist denn eigentlich der Mond von der Erde entfernt, und wie lange haben wir zu reisen?“ fragte der Vater.
„Von der Erde bis zum Mond sind es dreihundertvierundachtzigtausend Kilometer, meine Freunde,“ antwortete der Astronom. „Das ist so schlimm nicht, denn es ist nur dreißigmal so weit wie eine Reise von Berlin nach New York und wieder zurück, und viele Kapitäne haben schon längere Reisen unternommen. Eine Kanonenkugel würde in zehn Tagen von der Erde zum Monde fliegen können, wenn ihr unterwegs nicht die Kraft ausginge, und ein Schnellzug müßte ununterbrochen sechs Monate fahren, wenn es einen Schienenweg zum Monde gäbe. Wir aber fahren so rasend schnell mit meiner Erfindung, daß wir bald da sein werden. Seht, wie nahe uns der gute alte Freund schon gerückt ist; es ist die höchste Zeit, daß wir die Vorbereitungen zur Landung treffen. Das wichtigste ist, daß jeder zunächst seinen Lufthelm und Lufttornister aufsetzt, denn es ist auf dem Monde keine Spur von Luft anzutreffen, weshalb ja auch keine Menschen dort leben können. – Dann aber muß ich vor allem meine großartige Bremsmaschine in Bewegung setzen, denn sonst fliegen wir mit solcher Gewalt auf die Mondoberfläche nieder, daß wir mitsamt unsrer Himmelsdroschke zerpulvert werden!“