Und nun begannen alle drei sich lebhaft zu tummeln. Bald sahen sie aus wie Meerestaucher mit ihren kupfernen Helmen, die den ganzen Kopf von der Außenwelt absperrten, und durch Gummiringe am Halse luftdicht schlossen. Auf dem Rücken waren Luftzylinder befestigt, und durch Schläuche kam von dort die Atemluft zu den Helmen. Durch vergitterte Fenster in den Helmkugeln konnte man draußen alles bequem überblicken, aber ob man durch sie auch würde hören können, was draußen zu hören war, und was die anderen sagten, das war dem kleinen Franz doch etwas fraglich.

Eine gewaltige Helligkeit war nun wieder ringsum, sie kam von der schon ganz nahe über ihnen liegenden, blendend erleuchteten Mondoberfläche. Der Professor arbeitete an allerlei Hebeln und Schrauben, drehte an vielen Hähnen und Rädern, und der Vater half ihm dabei. Der Alte war so eifrig, daß seine weißen Haare und seine Frackflügel hin und her flatterten, aber endlich war alles bereit.

„So,“ sagte er, „jetzt ist der feierliche Augenblick da! Nun werden sofort die ersten Menschen den Mond betreten, infolge meiner großartigen Erfindung. Nun aber Achtung, denn wenn auch die Bremsmaschinen tadellos funktionieren, einen gehörigen Stoß wird es doch geben und vielleicht auch ein paar blaue Flecke. Darum schleunigst in die Schaukeln, die an der Decke hängen, sie sind aus Gummi und Federn und wohl auswattiert, damit die Knochen ganz bleiben.“

Da schlug denn doch den Reisenden das Herz, und der kleine Junge bibberte nicht schlecht bei dem Gedanken, all seine Knöchelchen wie in einem Würfelbecher auf dem Monde herumzustreuen, aber es war keine lange Zeit mehr zum Überlegen. Kaum saßen sie in den Gummischaukeln, da ging es auch schon los! „Festhalten! Festhalten!!“ schrie der Professor. Dann gab es einen enormen Krach, es splitterte alles mögliche ringsum, und dann brauste es dem kleinen Franz jämmerlich in den Ohren, er fühlte nur noch, wie ihm fast jedes Knöchlein im Leibe weh tat, und dann war es mit einem Male Nacht und alles aus.»

Hier unterbrach der alte Ulebuhle seine Erzählung und nahm eine neue mächtige Prise, während wir Kinder ganz gespannt und mäuschenstill mit offenem Munde über das weitere Schicksal der Mondreisenden nachdachten. «Jungens,» sagte Ulebuhle, «macht um Gottes willen den Mund zu, sonst fliegen euch die Fledermäuse hinein! Ihr müßt mich erst einmal ausschnaufen lassen, ich bin ein alter Mann, und die Zungenmühle geht bei mir nicht mehr so wie bei euch unklugen Schreihälsen!» Hierauf nieste er wieder zweimal, daß der Turm dröhnte und das Zöpfchen entsetzt in die Höhe fuhr, und dann fuhr er also fort:

«Die Reisenden lagen mit arg zugerichtetem Flugschiff auf dem Monde, und wenn sie jemand gesehen hätte, er hätte angenommen, sie seien tot. Aber sie hatten von dem Sturz nur die Besinnung verloren, und der Vater, als der kräftigste von den dreien, war zuerst wieder auf den Beinen. Gott sei Dank, er hatte nichts gebrochen und erkannte auch schnell, daß die anderen noch lebten. So richtete er sie auf, und einer nach dem anderen kam zu sich. Außer einigen Beulen und Schrammen war nichts vorgefallen, und die Reiseapotheke des Professors kurierte diese kleinen Schäden schnell. Ein ganz klein wenig heulte unser Franz zwar dennoch, aber im ganzen hatte er sich doch recht tapfer benommen.

„Sind wir nun auf dem Monde?“ fragte er, noch immer etwas verängstigt, „aber das sind ja hier genau solche Steine wie bei uns auf der Erde und ebensolcher Sand. Und was ist denn das? Nein, das ist aber ganz schnurrig, da steht die Sonne am Himmel, und zugleich sind auch alle Sterne zu sehen wie mitten in der Nacht, und der Himmel ist auch ganz schwarz, trotzdem es doch heller Tag ist!“

So fragte der kleine Junge unablässig, aber niemand antwortete ihm, es war, als hörte ihn keiner, und nun merkte er erst, daß er selbst nur ganz undeutlich seine eigene Stimme vernahm. Ei, sagte er zu sich selbst, das liegt sicher an dem dicken Kupferhelm, der unsere Köpfe umschließt, daß wir uns nicht hören. Da berührte der Professor seinen Arm und bedeutete auch dem Vater aufzupassen. Dann zog er eine Pistole hervor und feuerte sie zwei-, dreimal ab. Man sah zwar den Feuerschein und den Pulverdampf, aber man hörte kein bißchen von dem Krachen des Schusses. Man sah, wie der gelehrte Herr über die Verwunderung seiner Mitreisenden lächelte, dann zog er einen Notizblock hervor und schrieb darauf:

Da es auf dem Monde keine Luft gibt, die den Schall zum Ohr trägt, so kann man hier auch nichts hören. Wenn wir auf Erden eine elektrische Klingel in einen Glaskasten bringen, aus dem wir mit einer Luftpumpe die Luft heraussaugen, dann hören wir sie auch nicht mehr klingeln. Hier auf dem Monde könnte jemand neben uns eine Kanone abschießen, wir hörten es nicht. Alles was ihr wissen wollt, müßt ihr jetzt aufschreiben, und ich kann es euch auch nur schriftlich beantworten.“

Sie gaben durch Nicken zu verstehen, daß sie das begriffen hätten, und dann zeigte auch der Vater auf den seltsam aussehenden Himmel. Da stand wirklich als hellstrahlende Feuerskugel die Sonne, genau so wie am Himmel der Erde, aber dieser Himmel war tiefschwarz wie bei uns in der Nacht, und alle Sterne waren sichtbar.