Und plötzlich fühlte der kleine Junge, wie eine Hand ihn erfaßte, es wurde Licht ... da stand die Mutter vor seinem Bett und sagte lächelnd:
„Ei guten Morgen, Herr Langschläfer! Wach auf! Die Sonne steht schon hoch droben. Ich hörte dich schreien im Schlaf, du hast geträumt, ja ja, das kommt davon, wenn man noch spät abends vom Monde plaudert!“»
Die Schwalbe und der Telegraphenpfahl
«Heute», sagte der Doktor, «kommt die Geschichte von der Schwalbe und dem Telegraphenpfahl. Die ist nicht lustig und ist auch nicht traurig, und wer sie nicht hören will, der läßt es bleiben. Basta!
Ja, da wandern die blanken Telegraphendrähte von der großen Stadt weithin weg durch Felder und Wälder. Längs der Eisenbahn ziehen sie dahin, und wenn die Vögel darauf sitzen, sehen sie aus wie Notenlinien mit dickköpfigen Noten. Das geht durch stille Dörfer, immer auf hohen Stangen, und die Kinder halten die Ohren an die dicken Pfähle, denn sie summen eine sonderbare Melodie, aber die machen sie nicht selbst, sondern es ist der Wind, der auf den Drähten spielt wie auf einer Harfe.
Und dann geht es über Land, wo das Getreide gelb in der Sonne steht, und geht durch stille Buchenwälder mit frischem Grün, immer weiter und weiter, bis wieder eine neue Stadt kommt, mit Rauch und Staub und lärmenden Menschen.
Da, wo die Felder jenseits des Dorfes aufhörten und eben der grüne Wald anfing, stand ein Telegraphenpfahl, der hielt mit starken Armen die Drähte beieinander droben, dicht unter den grünen Zweigen der Bäume. Eine Schwalbe mit blauschwarzem Frack und weißer Weste kam dahergeflogen. Sie setzte sich auf den Telegraphenpfahl, wippte mit dem Schwänzchen und pickte dem alten, ewig brummenden Burschen auf seinen dicken Holzschädel.
„Pitt, komm mit,“ sagte sie, wippte zierlich und hackte mit ihrem kleinen Schnabel dem Alten vertraulich aufs neue auf den Holzkopf.
„Reisende Musikanten sind lockere Vögel,“ brummte der. Aber er war nicht böse, denn er liebte die kleinen munteren Sänger, die von weit her kamen und ihm guten Tag sagten.
„Pitt, komm mit,“ sagte die Schwalbe, das hatte sie sich so angewöhnt, denn ihre Mutter hatte es schon gesagt und ihre Großmutter, und es ist Schwalbenart.