Der Samum heulte wie ein Schakal vor Wut und spie eine wahre Flut arabischer Schimpfworte gegen den groben Bruder. Der aber lachte in tiefem Baß wie ein Bär aus vollem Halse und schrie ein über das andere Mal:
„Good day, my dear brothers!“[6] Denn er war ein echter Amerikaner und kam eben aus Kalifornien herüber.
Seine Brüder aber schimpften noch lange mit ihm herum, und es war ein Höllenspektakel in der Höhle. Der Tornado aber machte sich nicht viel daraus, rauchte sich eine kurze Stummelpfeife an und schnitzte zum Zeitvertreib mit seinem Taschenmesser aus einem Eichenstamm, der sich zwischen seinen Flügeln festgeklemmt hatte, Zahnstocher.
Gegen Mittag, wo es sonst schön warm war im Perserlande, kühlte es sich plötzlich stark ab. Es wurde kälter und kälter, die Sonne verschwand, und hoch droben bildeten sich niedliche Federwölkchen, die aus lauter Eisnadeln bestehen. Dann aber fing es in der Höhe an zu schneien, erst langsam, dann immer stärker, und endlich kam mit einem eisigen Winde, der das Blut in den Adern gefrieren machte, ein undurchdringliches Schneetreiben, so daß man keine fünf Schritte weit sehen konnte. Aus weiter Ferne kam der vierte Bruder daher, der Blizzard oder Schneesturm.
Er war der älteste der Gebrüder Sturm. Weiß waren Haar und Bart, lange Eiszapfen hingen daran herunter, flimmernde Schneemassen bedeckten seine Flügel, und Eisklumpen hingen an den Füßen. Wo sein Atem hinkam, erstarrte alles Leben. Gemächlich trat er schnaufend in die Höhle.
„Seid mir gegrüßt, Brüder, in der Höhle des Demawend!“ sagte er und schüttelte den Schnee von seinem Körper.
Die Höhle war urplötzlich mit eisiger Kälte gefüllt, und sofort jammerte der Samum wieder los: „Beim Barte des Propheten, du hast hier noch gefehlt! Welch eine entsetzliche Kälte. Ich komme um!“ Damit kroch er in eine Felsspalte, um sich nach Möglichkeit vor dem erstarrenden Hauch seines Bruders zu schützen. Auch der Orkan brummte über den Eisbären, denn sofort gefror das Regenwasser, das noch von seinen Flügeln tropfte.
„Meine Brüder,“ sagte der Blizzard, „laßt uns nicht miteinander hadern! Wir sehen uns das ganze Jahr nur einmal und müssen unsere Eigenheiten ertragen. Die trockene Hitze und den Sand des Samum, das Donnerwetter und die Regengüsse des Orkan, das alles zerbrechende Ungestüm des Tornado und meine Kälte- und Schneemassen, das alles ist den anderen Brüdern unangenehm, aber wir haben eben jeder ein anderes Handwerk und leben in verschiedenen Ländern, und so müssen wir aufeinander Rücksicht nehmen. Laßt also den Streit. Wir haben wichtigeres vor. Ihr wißt, daß ich als der Älteste von uns Vieren am Neujahrstage dem alten Wettergott über unser Tun und Lassen Bericht erstatten muß. Es sind wieder bittere Klagen über uns eingelaufen. Die Menschen haben sich bei Petrus über alle möglichen Zerstörungen beschwert; Neptun, der Beherrscher der Meere, war sehr wütend auf uns, und Flora und Fauna, die Beschützerinnen der Pflanzen- und Tierwelt, klagen über Verwüstungen der Gebrüder Sturm in allen Zonen. Ich sehe schon, es wird ein ganzer Sack voll Anschuldigungen gegen uns einlaufen, und wir müssen sehen, wie wir’s am besten wieder ins reine bringen. Vor allem aber berichtet nun über eure schlimmen Taten, denn es ist besser, ich weiß Bescheid und kann gleich meine Entschuldigungen vorbringen!“
„Den Menschen kann man es nie recht machen,“ brummte der Orkan. „Schläft man oder bläst man zu wenig, so klagen sie, daß das Korn nicht wächst und die Bäume keine Früchte tragen und die Segelschiffe nicht vorwärts kommen und die Windmühlen stillstehen. Tut man mal einen ordentlichen Schnaufer, so ist es ihnen auch nicht recht. Da sollen sie sich halt das Wetter selber machen!“
„Ja, so ist es,“ sagte der Tornado. „Die Menschen sind undankbar, und Flora ist eine zimperliche Jungfer, die über jedes abgeknickte Bäumchen anfängt zu greinen!“