Das war einmal ein wirklich schöner Abend. Die Linden blühten in Ulebuhles Garten, und es war warm und still.
«Seht, wie klar die Sterne leuchten!» sagte der Alte. «Laßt uns das große Fernrohr aufbauen und sie betrachten.»
Da bauten wir den Himmels-Operngucker unter den Bäumen auf, und der alte Ulebuhle zeigte uns den Mond und die Gestirne.
O, was gibt es doch so viele Welten draußen im Sternenraum! Sonnen und Erden und Kometen die Menge. Ja, wer hätte es gedacht, daß die Erde nur wie ein Apfel an einem mächtigen Baum ist, und daß ringsum noch viele tausend Äpfel hängen. Aber mit dem Fernrohr sieht man es ganz genau, Berge und Täler, Wolken und Länder und Meere auf anderen Sternen.
«Da schaut einmal schnell hinein in das Glas,» rief der Alte. «Seht ihr die kleine mattschimmernde Kugel schweben? Das ist eine ganz, ganz ferne Erde. Uranus nennt man sie. Ach sie ist so fern, man kann sie kaum noch sehen, und bitter kalt ist es da, denn die Sonne kann kaum noch mit ihren Strahlen hinlangen, so fern ist das alles. Ja, das ist eine sonderbare Welt, und es läßt sich eine schnurrige Geschichte von ihr erzählen. Kommt in die grünumwachsene Laube, wo das Mondlicht so eigen flimmert, da läßt es sich gut plaudern von der sonderbaren Welt des Uranus, die eine ferne Erde ist.
Seht, da saß ein alter Professor und Sterngucker an seinem mächtigen Fernrohr und schaute hinein in das Sterngewimmel. Sonnen sah er schweben und Kometen in weiter Ferne. Aber das Schönste waren doch die Erdensterne, die Planeten, denn da sah man Länder und Meere und Schnee und Wolken.
„Ach ja,“ seufzte der alte Professor, „wenn man doch einmal wirklich da hinauf spazieren könnte, denn mit dem Fernrohr sieht man noch immer nicht genug. Eines weiß ich! Komme ich wirklich einmal in den Himmel, dann bitte ich den Herrn der Welt, zunächst einmal eine Reise nach den fernen Erden machen zu dürfen.“
Ja, so dachte der alte Sterngucker und grübelte so lange, bis er in seinem tiefen Lederstuhl einschlief, denn es war Mitternacht vorbei, und der Holunder blühte und duftete so stark, daß man ganz betäubt wurde.
Auf einmal ging die Tür des Sternwartenturmes auf, und der Tod trat herein. Er trug einen dunklen Mantel um sein bleiches Klappergebein, und auf seinem Schädel saß ein breiter schwarzer Schlapphut. Er trat auf den Sterngucker zu und sagte: „Lieber Herr Professor, Ihre Uhr ist abgelaufen. Wenn es Ihnen weiter keine Unbequemlichkeiten macht, so verlassen wir jetzt diese Welt und beziehen eine andere. Sie haben sich die Sterne siebzig Jahre von unten angesehen, nun werden Sie die Geschichte droben viel besser betrachten können, und die Erde dazu, denn die sieht man droben im Himmel auch als fernen Stern dahinschweben!“
Der alte Christian, des Professors Diener, der schon dreißig Jahre bei ihm war, erwachte plötzlich, denn er war in seinem Sessel ein wenig eingenickt. Er rieb sich verwundert die Augen. Sapperment, da stand der Tod bei seinem Herrn und holte ihn ab zur letzten Reise.