Incubus, Incubus!
Sanktus Bürokratius!“
Und donnernd trifft sein Fußtritt die Konservenkiste. Da fährt eine Staubwolke heraus und formt sich zu einem Gespenst, ähnlich einem schlotternden Aktuarius, grauen hohlwangigen Gesichts, ein Aktenbündel unter dem Arm. Entsetzt ringt Bürokratius die Hände und flüchtet — als aus der Volksmenge ein Haifisch hervorschießt und mit seinem roten, weißgezahnten Rachen nach dem Aktengespenst schnappt. Dieses wirbelt auf der Bühne herum, vom gierigen Hai verfolgt. Und grausam höhnisch hetzt ihn die Menge zum Schnappen:
„Hackepacke hackepacke!
Hacke hacke, hackepacke!“
Im Getümmel und Wirbel, zu dem die Volksmenge samt den Beamten zusammenwogt, fällt die Kiste mit den Akten um, auch der grüne Tisch. Schließlich poltern die Kulissen zusammen — und alles ist eine einzige aufstöhnende, heulende Staub- und Ideenhose: „Huh—uiii!“
Entsetzen durchschlottert mich, Angstschweiß rinnt mir über die Stirn, ich stöhne, als drücke mich der Alb. Aber da kommt durch das schnarrende Geräusch der wirbelnden Ideenhose, wie aus der Ferne, eine beruhigende Stimme: „Bruno! Mann! träumst du? Das macht wieder mal dein spätes Nachhausekommen.“ — „Pa—Pa—Papchen!“ bringe ich mühsam heraus — und spüre, wie mein Vogel, der beim Tumult zu mir in den Souffleurkasten geflattert ist, mausartig in meinen aufgesperrten Mund schlüpft.
„Du hast furchtbar geschnarcht! Ihr schwatzt so lange in euren Sitzungen — dann stöhnst du nachts und träumst!“ sagt meine Frau, während ich mich auf die andere Seite lege und beruhigt seufze: „Ach ja — geträumt!“
Draußen schüchternes Lerchenzwitschern ... —
Daß jene Kabinettsbefehle und Ministerialerlasse, die der Geheime expedierende Sekretär aus der Konservenkiste hervorgeholt, genau die Daten trugen, die ich angegeben, vermag der Chronist nicht zu behaupten. Genug, es ist urkundliche Tatsache, daß meine Gefangenschaft aus der Konservenkiste kam und auf Kabinettsbefehle und Ministerialerlasse aus den Jahren 1839, 1813 und 1808 gegründet war.