In diesem Loche Monate zuzubringen, war eine grämliche Aussicht. Keine vier Schritte konnte ich tun, und an Luft mangelte es. Das Fenster reichte mir von der Brust bis zum Scheitel und war draußen mit vier Eisensprossen versichert. Der Scheibenrahmen hatte nur eine Klappe zum Lüften.

Vor dem Fenster eine Müllgrube, wo Hühner scharrten. Damit nicht jemand nachts hineintappte, war um diesen landwirtschaftlichen Bezirk ein Lattengehege. Daneben die Wasserpumpe, ein Kübel für Hühnerfutter, ein Hackeklotz mit Stubben, die zerkleinert werden sollten. Die Hinterfront des Gasthofs hatte zwei Türen mit ein paar Seitenfenstern, darüber eine Fensterreihe. Da war auch eine Glocke — sie erinnerte an die Hofglocke meiner Klippschule; auf dem Blechschild stand „zum Amtsdiener“. Nebenher führte die Dachrinne ins Regenfaß. Die Straße war abgesperrt durch eine hohe Bretterplanke mit eingefügter Tür. Etwas angenehmer blickte man nach rechts: längs der Hofmauer eine Kegelbahn, der Stand für die Kegel war beim Eingang zu meinem Gefängnis. An den Borden der Kegelbahn sproß Rasen; wilder Wein umrankte die Laube, von wo geschoben wurde. Über die Mauer lugte der Giebel des Nachbarhäuschens und ein Akazienbaum — aus seinem noch dunkelgrünen Wipfel zitterte das späte Zirpen einer Heuschrecke.

Abermals musterte ich meine Klause — aber da gab es nichts als Pritsche, Ofen, vier kahle, weißgetünchte Wände. Darauf Inschriften und Zeichnungen, mit Bleistift gekritzelt. Meine Vorgänger hatten sich mit Namen verewigt, auch durch Darstellungen, wie sie ein roher Geschmack auf Wänden anbringt. Da war eine Prügelei; ein Gendarm mit Helm und Säbel wurde verhauen von einem Kerl mit ungeheurer Faust; darunter die Verse:

ihr kricht mir doch nich unter

vafluchtichte Blechkopp-Limmel,

ick halte mir mit Fechten munter

un drinke Rum mit Kimmel.

Neben solcher heroischen Kunst gab es auch komische. Wiederholt kam ein Mann mit Amtsmütze, verschmitzten Äugelchen und einer Kartoffelnase vor. Viel von dem Gekritzel behandelte Gefühle der Minne. Eine Tippelschickse hatte das sentimentale Bekenntnis abgelegt:

In Hamburg, da bin ich gewesen