Mich um die zerlumpten Hemden dieser Bummler zu kümmern, lag mir fern. Bloß ihr Radau kümmerte mich, und ich gelobte mir schon, mit der Beschwerde bis zum Kultusminister zu gehn. Weil aber auch hier der Himmel hoch und der Zar weit, blieb mir nichts übrig, als zu lachen und mich in meine Klappe zu verfügen. Gern hätte ich mein Fensterventil geschlossen, um den Lärm ein wenig zu dämpfen; aber dann hätte ich zu spüren bekommen, daß unser Kulturstaat hier nicht mal dem bescheidenen Glaubenssatz des Walzbruders Rechnung trug: „Luft is fier alle Menscher frei!“ So ließ ich die Ventilklappe auf. Wie ich im Bette lag und noch ein wenig las, mußte meine Lampe einen von der Kegelbruderschaft hergelockt haben. Behutsame Schritte vor dem Fenster, und durch die bibelgroße Klappe nahe bei meinem Kopfe kam, mich zu erschrecken, der jähe Ausruf: „Puh!“ Ich antwortete nicht — um die Kerle nicht noch zu ermuntern — und auflachend ging der Witzbold wieder zum Kegeln.
Mein Gefängnis, das war begreiflich, mußte den Leuten wunderlich vorkommen. Hinter den schwarzen Kerkersprossen tat der blutrote Vorhang, bei Lampe noch greller, nach außen eine abenteuerliche Wirkung. Dazu kam das Gerede über den sonderbaren Heiligen, der an keinen Gott glaubte, gewiß auch an keine Hölle. Mit der Hölle schienen es übrigens selbst die Pennbrüder nicht sonderlich ernst zu nehmen; denn vor dem Einschlafen hörte ich ihren letzten „Versch“:
„Ick walze meinen Schlendrian,
Bis an mein kühlet Jrab,
Un schlächt mich ooch der Sensenmann
Den Sterbesejen ab,
Ja, sollt ick ooch dereinst
Noch in die Hölle wimmern,
So hat sich doch keen Mensch,
Keen Mensch dadrum zu kimmern.“