Dann ist die Szene verwandelt: Vom blauen Himmel flutet goldner Äther auf ein Amphitheater. Wie Blumen in endlosem Kranzgewebe schimmern auf den Rängen die bunten Gewänder des schautrunkenen Griechenvolks. Unter Tubaschmettern tritt eben ein Grieche auf, schön wie Apoll, blondlockig — und ein Flüstern geht durch die Versammlung: „Hölderlin, er ist’s! Er wird Flöte spielen — Diotima trägt dazu eine seiner gotterfüllten Oden vor.“

In der Tat hebt Hölderlin, der niemand anders ist als mein Freund Eckehart, die Flöte an die Lippe, und ein Präludium stimmt zu süßer Wehmut. Während dieses Vorspiels ist Diotima aufgetreten — alles versinkt in ihren Anblick. Der Sixtinischen Madonna ähnlich, überschaut sie, an den Altar gelehnt, das versammelte Volk. Träumende Sehnsucht im dunkeln Auge. Und zu den Flötenklängen spricht ihre Altstimme:

„Rosen kränzen den Berg, heiliges Frührot lacht.

Auf, gefangener Mann! Suche, was adlig macht!

Brich die Kette! Laß schnarchen

Gassenbürger in Winkelnacht!

Dir zu Füßen die Welt, klimme den Fels empor

Zu Heroen! Erweckt werden dir Aug und Ohr!

Tief das murrende Chaos

Droben tönt es wie Sternenchor.“