»Ich bin ein Narr!« sagte er.
Das Schweigen, das eintrat, dauerte lange. Leath brach es. Er raffte sich aus seinem Brüten auf und wandte sich vom Fenster ab. Hätte der alte Herr beabsichtigt, auf seine letzten Worte zurückzukommen, so würde sein Ausdruck ihn davon zurückgehalten haben. Seine unglückliche und hoffnungslose Liebe zu Florence Esmond sollte ohne ein weiteres Wort zwischen ihnen begraben sein.
»Ich will jetzt gehen,« sagte er, »Sie haben morgens immer zu tun, wie ich weiß. Vielleicht wird ein scharfer Ritt meine trüben Ahnungen verscheuchen.« —
Herr Sherriff konnte seine Gedanken nicht auf seine Arbeit konzentrieren. So viele Befürchtungen, so viele sorgenvolle Erwägungen waren seit Jahren nicht auf den alten Mann eingestürmt. Florence Esmond hatte seit langem seinem Herzen so nahe gestanden, wie eine Tochter nur hätte stehen können, und er wußte jetzt, daß ihm Everard Leath fast so teuer wie ein Sohn geworden war.
Sonderbarerweise war es eigentlich nicht der Klatsch, der sie bedrohte, an den er dachte, während er so traurig dasaß und rauchte, sondern die aussichtslose Liebe zu ihr, zu der Leath sich bekannt hatte, als er so rauh gesagt: »Ich bin ein Narr!«
Wie hoffnungslos sie war, wie hoffnungslos sie unter allen Umständen bleiben mußte, das konnte er, der ihre Fehler sowohl wie ihre Tugenden so gut kannte, wohl ermessen. Er wußte, was nur die wenigen, die sie wirklich verstanden, ahnten, daß der Stolz auf vornehme Geburt, auf Rang und Abstammung nicht stärker entwickelt sein konnte als bei diesem Mädchen. Und selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, so hatte sie in ihren Unterhaltungen mit ihm niemals aus ihrer Abneigung gegen Everard Leath ein Hehl gemacht. Und nun mußte er diese unselige Leidenschaft für sie fassen! Matthias Sherriff seufzte, als er sich dessen erinnerte und des Schmerzes gedachte, den ihm vor vielen Jahren die eigene Herzenswunde verursacht hatte. Er war alt, sein Haupt war grau, aber die Wunde konnte noch immer wehtun.
Es war einige Stunden später — er hatte noch immer nichts getan, als in wehmütiges Grübeln versunken in seinem Stuhle zu sitzen, — da wurde der Klopfer an der Haustür laut in Bewegung gesetzt.
Ein kurzes Zwiegespräch folgte, das aber zu leise geführt wurde, als daß er hätte hören können, was gesprochen wurde, und dann näherten sich dem Zimmer Schritte. Sherriff erhob sich schnell, denn er wußte sofort, wessen Schritt es war, obwohl es Sir Jasper Mortlake vielleicht kaum zweimal im Jahre einfiel, den Bungalow zu betreten. Was hatte ihn hergeführt? Der alte Mann atmete erregt schneller, als sich die Tür des Zimmers öffnete und der Baron eintrat.
Ungefähr eine halbe Stunde später, als Everard Leath auf dem Heimwege nach Lychet Hut, nach dem Ritte, durch den er seine erregten Nerven hatte beruhigen wollen, an der Gartenpforte des Bungalow vorbeikam, sah er Sir Jasper Mortlake heraustreten und in seinen Wagen steigen, der gewartet hatte. Ein kurzer Blick in des Barons Gesicht genügte, um ihn plötzlich zum Stillstehen zu bringen und seinen Herzschlag zu beschleunigen. Nicht einmal, als sie sich am Morgen in der Bibliothek von Turret Court gegenüberstanden und er drohend die Hand gegen ihn erhoben harte, war sein Antlitz bleicher und wutentstellter gewesen als jetzt. Was war vorgefallen? Was hatte ihn nach dem Bungalow geführt? In seinem jetzigen Gemütszustande war es ihm unmöglich, ohne Antwort auf diese Fragen nach Hause zu reiten. Leath sprang, seinem Impulse folgend, aus dem Sattel und ging ins Haus.
Sherriff stand am Tische; seine gewöhnlich gebückte Gestalt war aufgerichtet, sein von Natur ruhiges altes Gesicht gerötet und zornig. Leath fühlte, daß eine unklare Befürchtung ihm selbst das Blut heiß in die Wangen trieb. Er sagte hastig: