Als Leath, nachdem er sein Pferd versorgt, wiederkam, fand er Sherriff vor einem großen, altmodischen, messingbeschlagenen offenen Pult, das ihm schon seines Umfanges wegen aufgefallen, das er aber bisher nur verschlossen gesehen. Den Kopf hatte der Greis in die eine Hand gestützt; er schien etwas eifrig zu betrachten. Er war so in Gedanken vertieft, daß er erst, als Leath ihn zum zweiten Male anredete, zusammenfuhr und sich verwirrt umblickte.

»Ich störe Sie, Herr Sherriff?« fragte Leath stockend.

»Nein — nein — durchaus nicht — gewiß nicht!« Er blickte den jungen Mann an und dann wieder auf das, was er in der Hand hielt. »Ich tat etwas sehr Törichtes,« sprach er traurig, »ich stöberte in toter Asche, mein lieber Junge! Das ist schon ein trauriges Stück Arbeit, solange wir jung sind, aber es ist noch trauriger, wenn wir alt geworden, denn sie kann nie wieder angefacht werden, und es ist keine Hoffnung, daß an ihrer Statt ein neues Feuer brennen wird. Erinnern Sie sich des Tages, wo ich Ihnen meinen kleinen Herzensroman — den einzigen Roman, den ich erlebt habe — erzählte?«

»Ich erinnere mich dessen sehr wohl,« gab Leath zur Antwort.

»Aber ich habe Ihnen, glaube ich, nicht gesagt, daß ich Marys Bild besitze? Es ist gerade angefertigt, ehe sie mich verließ, um ins Ausland zu gehen. Ich habe mich niemals davon getrennt, ebensowenig wie von ihren Briefen, obgleich es Jahre gegeben hat, in denen ich es nicht ertragen konnte, auf das eine oder andere einen Blick zu werfen. Es ist jetzt sehr verblaßt, aber damals war es wunderbar ähnlich — wunderbar ähnlich! Wollen Sie es ansehen?«

Mit leicht zitternder Hand hielt er dem anderen das Bild hin. Leath nahm es, blickte es an, hielt es näher an das Licht, sah genau hin und stieß dann einen lauten Ruf aus. Sherriff erhob sich hastig.

»Was gibt’s?« fragte er mit bebender Stimme. »Sie — haben es doch nicht schon gesehen — wie?«

»Gesehen?« wiederholte Leath. Sein Antlitz war tief erblaßt und verriet grenzenlose Verwunderung. »Dies ist das Bild meiner eigenen Mutter!«

16.

»Das ist alles? Ist das genug? Du kannst doch unmöglich erwarten, daß ich diesen — diesen äußerst bedauerlichen Vorfall so leicht als abgetan ansehe, Florence?«