Es war Florence, die so sprach. Vor etwa einer Minute war sie draußen in die Veranda getreten und horchend stehengeblieben, als durch das offene Fenster Stimmen an ihr Ohr schlugen. Lady Agathes Schluchzen allein hätte ihr verraten, wovon die Rede war, aber sie hatte mehr gehört. Sie trat ins Zimmer und sprach mit fester Stimme zu ihr:

»Ja, es ist wahr, Tante Agathe, Herr Leath hat gestern um mich angehalten, und ich habe mich mit ihm verlobt. Und es ist ebenfalls wahr, daß Onkel Jasper in unsere Verlobung gewilligt hat. Du mußt meine Verlobung, bitte, als eine abgemachte Sache ansehen.«

Sie war noch immer sehr blaß, ihre großen Augen waren glanzlos, aber ihr bleiches Antlitz belebte sich, als sie sanft den Arm um Cis legte und ihr goldblondes Haar küßte. Arme, kleine Cis! Armes, weichherziges kleines Mädchen, das so bitterlich schluchzte! Würde ihr nicht das Herz wirklich gebrochen sein, würde sie nicht ihren fröhlichen jungen Bräutigam verloren haben, wäre nicht diese Verlobung mit Everard Leath gewesen, über die sie so herzbrechend weinte? Was für ganz andere Tränen hätten Mutter und Tochter jetzt vergießen können, hätte sie nicht aus Liebe und Mitleid zu ihnen jenes übereilte Opfer ihrer selbst gebracht! Aber bereute sie es denn? Nein — sie bereute es nicht; sie wollte es nicht bereuen, obgleich sie schauderte bei dem Gedanken an die bevorstehende Zusammenkunft mit dem Manne, der jetzt das Recht hatte, sich ihren Verlobten zu nennen. Und es würde nur ein kümmerliches Opfer sein, wenn sie sahen, daß sie litt. Sie zwang sich zu einem Lächeln, während sie zu ihrer Tante trat und sanft das Taschentuch fortzog, das die arme Frau noch immer an die Augen drückte.

»Aber ich kann es nicht glauben!« rief Lady Agathe, »wir kennen diesen Leath gar nicht! Ich muß offen reden, Florence — was kann dir nur in den Sinn gekommen sein? Weshalb hast du es getan? Glaubst du, daß Herr Leath dich wirklich liebhat, Florence?«

»Mich liebhat?«

Sie sah wieder das gerötete, lebhafte Antlitz vor sich, dessen kühler, ruhiger Ausdruck wie umgewandelt war, die leuchtenden Augen, die von verhaltener Leidenschaft vibrierende Stimme — die ganze Glut des Mannes, die sie erschreckt und doch einen Zauber auf sie ausgeübt hatte. Ob er sie liebte? Mochten seine Sünden gegen sie so groß sein, wie sie wollten, mochte sie vor ihm zurückbeben und ihn hassen, so sehr sie wollte, daran war wenigstens kein Zweifel.

»Ja,« sprach sie in sehr leisem Tone, »er liebt mich. Davon kannst du fest überzeugt sein.«

»Dann ist wohl nichts an der Sache zu ändern,« meinte Lady Agathe verzweifelt, »aber was die Herzogin sagen wird —«

»Es kommt gar nicht weiter in Betracht, Tante, was die Herzogin sagen wird. Onkel Jasper willigt ein, wie du weißt. Das ist genug, um mir mein Vermögen zu sichern, und folglich alles, was nötig ist,« fiel ihr Florence mit einer Bewegung der Gereiztheit ins Wort.

»Liebe Florence, ich muß dich noch etwas fragen. Wenn diese Heirat wirklich stattfinden soll, wünschest du, daß die Verlobung geheimgehalten wird?«