»Ja,« sagte sie, »ich will Herrn Leath sehen. Sie können ihn hier hereinführen, Morgan.«

Sie sprach ruhig, aber sie hatte ihre Nerven nicht so in der Gewalt wie ihre Stimmung; sie begann beim Tone der nahenden Schritte zu zittern, und als die Tür aufging, sank sie wieder in ihren Stuhl. Leath sah, wie sie sich in die Polster schmiegte und ihn mit flehenden, erschreckenden Augen anblickte. Ein seltsamer Ausdruck — es war ein ironisches Lächeln und ein schmerzliches Zucken, beides zu gleicher Zeit — glitt über sein Gesicht, aber er war im nächsten Augenblick wieder verschwunden. Er streckte die Hand aus und ergriff die von Florence, welche bebend in ihrem Schoße lag.

»Hoffentlich geht es dir besser?« fragte er. »Du siehst sehr blaß aus.«

»Danke, ich bin so wohl, wie ich nur erwarten kann, zu sein,« antwortete sie.

»Wohl genug, daß ich mit dir sprechen kann? Wenn nicht, so sage es. Dann werde ich bis morgen warten.«

»Das ist nicht nötig. Ich hatte mich schon entschlossen, Sie zu sehen, wenn Sie heute vorkämen. Es war sehr lieb von Ihnen, daß Sie nicht eher darauf drangen.« Sie stockte und blickte zu ihm auf. »Wollen Sie nicht Platz nehmen?«

»Nein, danke. Ich bleibe nur ein paar Minuten.« Er hielt inne. »Es ist wohl keine Veränderung eingetreten?«

»In Sir Jaspers Zustand? Nein — keine. Sie wissen, daß das auch nicht zu erwarten ist, nicht wahr?«

»Allerdings. Es ist, wie ich es nannte, Tod bei lebendigem Leibe. Rache genug für mich, wenn ich danach verlangte.«

Seine Stimme war dumpf, aber nicht scharf, sein Gesicht merkwürdig gefaßt und ernst. Sein ganzes Wesen war seltsam und für Florence unerklärlich verändert. Er hatte ihre Hand nicht behalten — hatte sie nur eben lose einen Augenblick erfaßt und dann losgelassen — er, dessen Händedruck immer eine innige Liebkosung an sich gewesen war. Unzählige Male hatte sie sich dagegen aufgelehnt, hatte sich gesagt, daß sie es hasse, aber ihr fiel die Unterlassung sofort auf. Weshalb sah er so aus? Was wollte er ihr sagen? Eine angstvolle Beklommenheit, die jede Sekunde seines Schweigens nur steigerte, beschleunigte den Herzschlag des Mädchens. Sie sprach endlich, denn sie fühlte, daß sie es nicht länger ertragen konnte.