»Ich entbinde Sie Ihres Versprechens, mich zu heiraten,« wiederholte er mit fester Stimme. »Ich befreie Sie von einer Verpflichtung, die Sie hassen und die Sie nie hätten eingehen sollen. Ich habe einen schändlichen Pakt mit Ihnen abgeschlossen, Kind — ich wußte es, als ich es tat — ich habe mir feige Ihre Zuneigung für die Ihren und Ihre Selbstaufopferung zunutze gemacht. Aber ich liebe Sie, und die Liebe zu einem Weibe hat schon manchen Mann unwürdige Handlungen begehen lassen. Dem sei nun, wie ihm wolle, ich bin nicht verworfen genug, Sie zu einer Ehe, die Sie unglücklich machen muß, zu zwingen, und als ich glaubte, Ihre Liebe erringen zu können, mag ich wohl ein Tor gewesen sein. Sie hassen mich. Und haßten Sie mich, wenn Sie mein Weib wären, so würde ich uns beide, Sie und mich selbst, ums Leben bringen, glaube ich. Aber das ist eine Frage, die wir nicht weiter zu erörtern brauchen; denn Sie werden nie meine Frau werden. Ich wiederhole es — ich gebe Sie frei. Ich gehe nach Australien zurück. Sie sind mich für den Rest Ihres Lebens los.«

Er hielt inne. Das junge Mädchen tastete nach dem Kaminsims, neben dem sie stand, und hielt sich daran fest; aber ihr Gesicht veränderte sich nicht, und sie machte gar keinen Versuch, etwas zu erwidern. Ehe Leath weiterreden konnte, ging die Tür auf, und Lady Agathe und ihre Tochter traten ein.

»Liebe Florence — o, Herr Leath, Sie sind es!« stammelte Lady Agathe verwirrt, »ich wußte nicht, daß Sie hier sind!«

Sie wandte sich wieder nach der Tür, aber Leath hielt sie zurück, ehe sie dieselbe erreicht hatte.

»Ich bitte um Vergebung, Lady Agathe. Darf ich Sie bitten, einen Augenblick zu verweilen? Wären Sie nicht hereingekommen, so würde ich Sie vor meinem Fortgange um eine Unterredung gebeten haben.«

»Mich — um eine Unterredung?« stammelte die Angeredete.

»Ja. Ich möchte Ihnen sagen, daß ich Gräfin Florence ihr Wort zurückgegeben habe. Unsere Verlobung ist aufgehoben.«

»Sie haben sie freigegeben?« rief Lady Agathe verwundert.

Cis stieß einen leisen Schrei aus und lief auf ihre Cousine zu.

»Ich habe sie freigegeben,« wiederholte Leath in demselben ruhigen Tone. Er sah Florence nicht an, ja, warf ihr nicht einmal einen Blick zu.