»Was mir dafür wird?« Leath lachte bitter auf. »Was ist das, wenn ich fragen darf?«
»Was?« gab Sherriff verwundert zurück. »Das Weib, das du liebst.«
»Und das mich haßt!« Mit einem Lachen erhob er sich. »Es ist für mich am besten, sich kurz zu fassen, wie ich auch ihr soeben sagte. Ich habe Gräfin Florence ihr Wort zurückgegeben.«
»Du hast sie freigegeben?«
»Ja — freigegeben. Ich war ein Schuft, ihr das Versprechen abzuzwingen, ein Narr, zu glauben, daß ich ihre Liebe erringen könne. Sie haßt mich, und ich habe sie deshalb freigegeben. Es ist vorüber — ich habe ihr Lebewohl gesagt. Damit ist genug über die Sache geredet; ich wäre ein schlechterer Kerl, als ich bin, hätte ich sie in eine unglückliche Ehe hineinzwingen wollen. Sie brauchen mich nicht so anzusehen, mein lieber alter Freund. Es hat einen Kampf gekostet, das leugne ich nicht, aber ich glaube, ich habe das Schwerste jetzt überstanden. Wenn nicht, nun, so werde ich in Australien besser damit fertig werden als hier.«
»In Australien?«
»Ja. Ich habe mich entschlossen, dorthin zurückzukehren. Da wartet meiner wenigstens Arbeit. Die ›Etruria‹ geht in vier Tagen ab. Mit der fahre ich.« Er hielt inne und blickte in das erregte Gesicht des alten Mannes, der eine bebende Hand auf seinen Arm legte. »Soll ich zwei Fahrkarten nehmen, Herr Sherriff?«
»Zwei?« wiederholte der andere.
»Ja — wollen Sie mit mir kommen? Ich habe Sie danach fragen wollen, seitdem ich zu dem Entschlusse gekommen bin, daß ich sie freigeben müsse. Wenn mich hier nichts zurückhält, so haben auch Sie keine Angehörigen hier.« Er legte dem Alten die Hand auf die Schulter — zum ersten Male versagte ihm fast die Stimme — und fuhr fort: »Ich hoffe, Sie kommen mit — von ganzem Herzen hoffe ich es. Mehr als einmal haben Sie geäußert, daß Sie mich so liebhätten, als sei ich Ihr Sohn; aus tiefster Seele wünsche ich, ich wäre es. Ich habe, wie Sie wissen, nie einen Vater gekannt, aber etwas von dem, was man für einen Vater empfinden sollte, empfinde ich für Sie, das weiß ich. Das Scheiden ist schwer in Ihrem Alter — mir in meiner Einsamkeit wird unsere Trennung sehr schwer fallen. Wollen Sie mitkommen?«
»Ich will mitgehen,« antwortete Sherriff. »Ich bin freilich recht alt dafür, um ein neues Leben in einem neuen Lande anzufangen, Everard — aber ich kann mich von Marys Sohn nicht trennen!«