Qu'est ce qu'il y a donc, Monsieur Howard? sprach plötzlich ein etwas bejahrter aber ziemlich respectabel aussehender Mann mich an: Est-ce que vous êtes indisposé? Allons voir du monde.

Ich schaute den sonderbaren Mann mit aufgerissenen Augen an, der so ganz sans façon meine werthe Person in Anspruch zu nehmen beliebte, und war schon willens ihm recht vornehm befremdet den Rücken zu kehren, als er mich bei der Hand nahm, und ganz gemächlich zur Thüre des Damensaales zog. Allons voir, Monsieur Howard.

Mais que voulez-vous donc? fragte ich ziemlich ärgerlich den zudringlichen Menschen.

Faire votre connaissance, erwiederte er artig und lächelnd, indem er die Thür aufthat, und mich so ins Innere des Salons blicken ließ.

Monsieur Howard! redete er zwei Mädchen an, die so eben beschäftigt waren, ein Schock Ananasen und Bananen an den Säulen des Staatszimmers aufzuzuknüpfen, wie sie in Alt-England mit den Söhnen Erins und im Neuen mit Zwiebeln zu thun pflegen. Mes filles, voilà Monsieur Howard votre voisin! Beide kamen auf mich zu, grüßten mich wie einen alten Bekannten, und boten mir, als hätten wir seit Jahren aus einer Schüssel gegessen, von ihren süßen Vorräthen an. Das ist doch sehr zuvorkommend in der That! Ich könnte zehn Jahre bei meinen lieben Landsmänninnen herumreisen, ohne in die Gefahr zu kommen, mir den Magen auf eine so schöne Weise zu verderben. Ich mußte zugreifen, wir setzten uns, und die Mädchen fingen an zu plappern und zu lachen, daß ich, so weh es mir im Herzen that, nicht unterlassen konnte mit einzustimmen. Eine ganz angenehme Stunde war vergangen, und eine zweite und dritte würde gefolgt sein, wenn meine angeborne Virginische steife Etiquette mir diesen Genuß inmitten der fröhlichen Geschöpfe länger gestattet hätte.

Wir nehmen zusammen unsern Thee hier, Papa, riefen die beiden Mädchen, als ich mich vom Sessel erhob, und wahrlich ich habe Ursache diese Einladung und meinen Glücksstern zu segnen; denn unsere Reisegesellschaft ist nichts weniger als gewählt. Ein sonderbarer Schlag Menschen! Beinahe sollte man glauben, man sei im alten Kentuck. Viehhändler und Metzger von Neworleans, die sich nach den nordwestlichen Counties spediren, halb wilde Jäger und Trappers[3], die von Begierde brennen, recht bald die Steppen jenseits Nacogdoches[4] zu sehen, und da die Indianer zu zivilisiren, oder, besser zu sagen, zu betrügen; Krämer, in und um Alexandria herum angesessen, diese bilden die sogenannte respectable Masse unserer Gesellschaft, und eine derbe Masse ist's, nach der Dicke ihrer Sohlen und behuften Absätze zu schließen. — Das dichte Laubwerk vor uns, ja das ist die Mündung des Red-Rivers! Sie ist halb überwölbt von den ungeheuren Bäumen, die zu beiden Seiten über den Fluß hin hängen. Welch ein Contrast mit dem Missisippi, der hinströmt, breit, gewaltig und finster, das leibhafte Bild eines nordischen Eroberers, der mit seinen stinkenden Horden hervorbricht aus seinen öden Steppen, um eine halbe Welt zu verwüsten, während der Red-River — den wir hochtrabend den Nil von Louisiana mit gerade so viel Fug und Recht nennen, als ein Schuhmacher irgendwo in Massachusets seinen Sohn Alexander Cäsar Napoleon taufte — durchs Gebüsch und die Ebene hinschleicht, wie die verrätherisch lauernde giftige Kupferschlange, — Cocytus sollte er heißen.

[3]: Trapper, ein Biberfänger-Jäger in den Steppen zwischen den Felsenbergen und den Staaten Missouri und den Gebieten Missouri und Arkansas.

[4]: Nacogdoches, der erste mexikanische Ort, auf den man stößt, wenn man Louisiana verläßt.

Da sind wir denn am Eingange des ersten Sumpfes, aus dem dieser vermaledeite rothe Fluß herausströmt. Es ist ein unheimlicher Anblick dieser Sumpf, der, durch den Zusammenfluß des Tensaw, des White und Red-River gebildet, einen ungeheuren Spiegel des üppigsten Grüns dem Auge darbietet, das beim ersten Anblick eine Terra-Firma erscheint, mit Bäumen, von denen Wurzel und grasiger Schlamm in langen Festons herabhängen. Eine ungeheure Wiese, möchte man schwören, bis man allmälig die dunkelgrünen Sumpflilien sich bewegen, und zwischen diesen weißlich-braune häßliche Rachen sich aufthun sieht, die Töne ausstoßen, vor denen der Neuling schaudert. Es sind Hunderte von Alligatoren, die gleich Sechzigpfündern durch die üppig giftige Pflanzenwelt auf ihre Beute hinschießen. Ihre Brunftzeit hat begonnen, und das dumpfe schauerliche Gebrüll, das rings um uns her ertönt, hat wirklich etwas Grauenerregendes. Man glaubt sich im Hauptquartier des Todes, der seine Pfeile in den tausend verschiedenen Fieberarten aussendet.

Boys a head, schallt die Stimme des Capitains.