in die deutsche Literatur einführten. Wir machten damals aufmerksam, daß in diesem Werk nicht ein gewöhnlicher Roman, sondern ein Kunstwerk höherer Gattung, voll Originalität und Leben, von ganz eigenthümlichem Gehalt und Schlag zu finden sei. Solche Versicherungen aus dem Munde der Verleger finden nicht immer gläubige Leser; man ist es zu sehr gewöhnt, diese als übliche, zum Geschäft und Vertrieb gehörige Redensarten zu betrachten; in den meisten Fällen bleiben auch derlei Empfehlungen ohne Wirkung, bis endlich irgend eine akkreditirte literarische Anstalt es der Mühe werth findet, ein solches Werk mit ihrer Kritik zu beehren. Das ist nun, in Bezug auf den Legitimen, bereits in mehrern Blättern, und namentlich in den allgemein geachteten »Blättern für literarische Unterhaltung«, Leipzig, bei Brockhaus, vom 7. März, Nr. 66, geschehen, und der geneigte Leser der Reiseskizzen, der, angezogen von der höchst originellen Schreibart unsers unbekannten Verfassers, auch sein früheres Geistesprodukt gerne kennen lernen möchte, wird ohne Zweifel unsere Empfehlung durch diese Recension gerechtfertigt finden. Sie lautet wörtlich wie folgt:

»Mag es nun wahr sein, oder die Herren Verleger es bloß affektiren, daß dieser Roman aus einer amerikanischen Feder englisch geflossen und von einer deutschen Hand aus der Handschrift übersetzt worden sei; so viel ist gewiß, er muß von Jemand geschrieben sein, der Nordamerika, der die beiden darin noch kämpfenden Nationen, der die amerikanische Denkweise beider Parteien bis in ihre Nuancen, der die Sprache und die Idiotismen derselben, der den sittlichen und politischen Gehalt der neuen Welt recht gründlich kennt.

Nach europäischen Begriffen könnten über die Richtigkeit des Titels Bedenklichkeiten entstehen; wir wollen daher bemerken, daß der Legitime ein Häuptling, König oder Miko der Mascogee- oder Oconee-Indianer, der Republikaner aber der größte Kopf seines Volkes, der General Jackson ist, obgleich dieser, gleichsam auf den Köpfen von 100 andern kleinern Republikanern getragen, erst ganz zuletzt erscheint. Sollte der Verf. den im Titel liegenden scharfen Gegensatz nicht aus diesen beiden Hauptcharakteren herzunehmen gemeint gewesen sein, so müßten wir ihn aus dem Inhalt des ganzen Werkes herleiten, und dann scheint uns der Titel noch weniger passend gewählt, da in Amerika der Republikanismus legitim ist.[40]

[40]: Uns scheint im Gegentheile, die Absicht des Verfassers sei es, die letzten Kämpfe der Ureinwohner, die durch den Legitimen, das heißt den Miko, repräsentirt werden, mit den Amerikaner-Republikanern, die collectiv dargestellt werden, dem Leser vor Augen zu bringen.

Die Verleger.

Die Absicht des Verf. reiht sich an den Titel, wie wir ihn erklären, sehr schön an. Er will nämlich durch einen historischen Roman die Nation auf die Ungerechtigkeit aufmerksam machen, mit welcher sie die Ureinwohner des Landes aus den Wohnsitzen ihrer Väter treibe, obgleich die Thorheit der Indianer, sich einzubilden, daß der große Schöpfer wenigen tausend Stammgenossen ein Land, so groß und oft größer als Deutschland, zum Jagdrevier angewiesen habe, auf welchem Millionen fleißiger Landbauer wohnen können, unläugbar diese Ungerechtigkeit herbeigeführt habe.

Zu diesem Zwecke läßt er einen Indianerhäuptling Louisianas, welcher lange mit den Weißen gekämpft, der selbst ihre Sprache und Schrift erlernt hat, um ihre Feinheit und Ueberlegenheit daraus zu entnehmen, des ungleichen Kampfes müde und von einem Theil der Seinigen verrathen und verkauft, seine Heimath verlassen und sich an der Gränze von Texas, ohne daß er die Uebersiedlung nach Mexiko gewahr wird, mit einem Haufen Getreuer neue Wohnsitze wählen. Mit sich nimmt er ein kleines weißes Mädchen, dem seine treffliche, heldenmütige Tochter Mutter wird. Er selbst hat das Kind aus den Händen seiner Krieger gerettet, die es zu tödten im Begriff standen, nachdem sie so eben die Mutter scalpirt. Trefflich zeichnet der Verf. die Sitten dieses und ihm gegenüber eines mexikanischen Stammes und seines Häuptlings, und man erkennt in dem letztern den Verwandten jenes Volks wieder, welches die Spanier bei der Eroberung von Mexiko so schändlich mißhandelten.

Vergeblich würden wir versuchen, einen kurzen Begriff von den Reizen der Schilderungen zu geben, zu welchen indianisches Leben und amerikanische reiche Natur Gelegenheit bieten, vergebens die zarten Nuancen der edelsten weißen und rothen Menschen und ihrer bald rohen, bald wilden Charaktere und Sitten zusammenstellen, um eine Anschauung von dem Inhalte dieses Werkes zu geben, das eine geistreiche Belehrung über die so eben angedeuteten Punkte enthält. Wir wollen nur die beiden größten Abtheilungen desselben einander gegenüberstellen, um den reichen Inhalt zu charakterisiren und dasselbe Interesse dafür zu erregen, mit welchem wir dasselbe gelesen haben.

Die ersten anderthalb Theile nämlich sind fast ausschließlich den Indianern gewidmet, während die Weißen nur einzeln, und gleichsam um den Zusammenhang mit ihnen zu erhalten, darin auftreten; die letzten anderthalb Theile dagegen zeichnen das nordamerikanische Leben, die wunderbare Republik, und hier spielen die Indianer wieder dieselbe Rolle, wie die Weißen in der ersten Hälfte des Werkes.

Wir verkennen nicht, daß uns der Verf. manche Erklärung schuldig bleibt, manche Unwahrscheinlichkeit auftischt und manchen Fehler gegen die Kunst der classischen Schriftstellerei begeht; allein wir können ihm das Lob nicht versagen, daß im Wesentlichen sein Plan meisterhaft angelegt und ausgeführt sei[41]. Die Breite der Erzählung und der Schilderung sind wir von den historischen Romanschreibern der Scott'schen Schule gewohnt und müssen sie uns nun schon gefallen lassen. Es ist diesen Herren so bequem, ihre Einbildungskraft in Naturscenen oder häuslichen Einrichtungen sich ergehen, wir möchten sagen, sich erholen zu lassen von den Anstrengungen der Darstellung überraschender Begebenheiten. Zur Sittenzeichnung sind diese Spaziergänge sehr gelegen, und wo sie dem Zwecke redlich dienen, kann man ihre Weitläufigkeit schon ertragen. Auch versteht bei uns schon jede Dame, das Entbehrliche beim Lesen wegzulassen oder Seiten mit einem Blicke zu übersehen.