[41]: Wir bemerken, daß für viele deutsche Leser manches unwahrscheinlich ist, was für den amerikanischen der höchste Genuß ist. Wir sind nur zu wenig mit dem Leben der Amerikaner bekannt, wie dieses tagtäglich offenbarer wird.
Die Verleger.
Hätte Cooper's gebildetere Feder diesen Plan ausgeführt, so dürfte die Ausführung mancherlei gewonnen haben. Im Ganzen aber müssen wir, Cooper's Talent in Ehren, dieser Conception vor der Cooper'schen den Vorzug geben, weil sie geistreicher und großartiger ist. Der Verfasser dürfte wohl ein Mann sein, welcher als Staatsmann einen bedeutenden Platz in der Republik schon einnimmt, oder gewiß noch einnehmen wird. Wer die Interessen seiner Nation so genau studirt hat, wie er, ist berufen, Theil an ihrer Leitung zu nehmen[42]. Höchst anziehend haben wir treffende Bemerkungen über den Geist des Soldatenlebens und über die Landesvertheidigung der Republik gefunden. Vielleicht bezeichnet nichts so scharf die Ursachen, weshalb Amerika der Entwickelung loyaler Freiheit des Bürgerthums mit festem Schritte entgegengeht. Wir sehen überall einen gewissen Optimismus, nirgends aber einen Aristokratismus an die Spitze treten. Der Bürger wird selbst unter den Waffen seine Rechte als solche nie verlieren, und nur Die können seine wahren Führer sein, die unter allen Verhältnissen das Bürgerthum zu ehren wissen. Jackson, der Diktator zur Zeit des englischen Einfalls, wird nach seinen großen Siegen über das englische Heer vor Gericht gestellt und um 2000 Dollars gestraft, weil er die Freiheit der Bürger im Augenblicke der Noth nicht geachtet hatte. Er zahlt die Strafe willig aus eigenen Mitteln, obgleich Tennessee und Kentucky sie zu übernehmen sich erbieten, und die ganze Nation feiert nun in dem Helden zugleich den guten Bürger.
[42]: Hierüber können wir keine Aufschlüsse geben. Das Werk ist uns von geachteter Hand zugekommen, und der Verfasser mag, so wie Walter Scott und andere Autoren, die anonym geschrieben, seine Ursache haben, auf den Schriftstellerruhm einstweilen zu verzichten. Diese Anonymität ist bekanntlich in Amerika und England eine hergebrachte Sache. Walter Scott, Washington, Irving und viele andere haben dasselbe gethan, ganz das Gegentheil von unsern Autoren, die, lächerlich genug, als Uebersetzer ihre Namen auf ein Werk setzen, dem der Autor den seinigen noch nicht beizudrucken für gut befunden.
Die Verleger.
Der Uebersetzer hat das Verdienst, alle Idiotismen der englisch-amerikanischen Sprache getreulich nachgebildet zu haben, und nur wenige dieser Nachbildungen werden für den, der englischen Sprache unkundigen Leser ungenießbar sein.
Auf jeden Fall ist dieser Roman bei weitem lehrreicher, als irgend ein Scott'scher oder Cooper'scher und verdient von den Deutschen besonders beachtet zu werden, die schon mit einem Fuße aus ihrer heimathlichen Hütte getreten sind, um die große Auswanderung zu beginnen. Begreifen wird ein solcher daraus, mit welchem Volke er zu thun bekomme, und daß er deutsche und europäische Engherzigkeit aus seiner Seele treiben müsse, um drüben nicht wie ein elenderer Philister betrachtet und verachtet zu werden, als er hier vielleicht schon war. Er wird sich überzeugen, daß er mit solcher Ausstattung dort nicht weiter kommt, als er hier war — zur Tagelöhnerei und Plackerei. Leider bringen die Deutschen am häufigsten noch die geistige Aermlichkeit ihrer Begriffe von Bürgerthum und Staat mit nach Amerika, und dafür werden sie auch in diesem Werke gelegentlich gezüchtiget.«[43]
[43]: Diese Stelle zeuget vom trefflichen Urtheil des Recensenten. Unstreitig giebt es deutsche Auswanderer, die, weder dem Vaterlande, das sie verlassen, noch dem Lande, wo sie hinkommen, große Ehre machen, und die allerdings durch frühere Vernachlässigung, üblen Haushalt und schlechte Gewohnheiten oft kaum über der Race der Rothhäute oder ihrer afrikanischen Brüder stehen, und in ihrer moralischen Versunkenheit das elendste Dasein nur kümmerlich fristen.
Die Verleger.
Wer möchte nach diesem Urtheil nicht versucht werden, das treffliche Buch zur Hand zu nehmen? Mehr als ein Leser wird es billigen, daß wir unter dem Spreuer der deutschen Romanenliteratur einige ächte Goldkörner als solche anempfehlen.