Ah, Mister Howard! erwiederte der Mann, sind Sie es! hatte Sie nicht so bald vermuthet.
Hoffe doch nicht unwillkommen zu sein? erwiederte ich ein wenig ärgerlich über des Mannes echt pensylvanische Trockenheit.
Sie sind doch nicht allein gekommen? fuhr er in eben dem Tone fort. Sind Sie? frug er mich mit einem Seitenblicke messend. Dachte, Sie würden uns ein Dutzend Blackee's mitbringen; wir brauchen sie.
Est-il permis, Monsieur? fragte nun der Creole, seine Hand in die meinige legend und auf das Haus hinweisend.
Und das Dampfschiff? bemerkte ich in einem Tone, so gedehnt, das einen nur mittelmäßig in der Physiognomik oder Psychologie Bewanderten belehrt haben müßte, daß er wahrlich überflüssig sei.
Oh, das wird warten, erwiederte er lächelnd. Was wollte ich machen? ich mußte die Reise nach meinem Hause mit dem wunderlichen Manne antreten, so schwer es mir auch fiel. Und wahrlich, es fiel mir schwer! Es war ein gräulicher Anblick, ein Gräuel der Verwüstung. Alles sah so hinfällig, so verloren, so verdorben aus, daß mir der Ekel aufstieg. So hatte ichs nicht erwartet. — Von der Einzäunung um den Hausgarten standen bloß einzelne Fragmente; im Garten selbst trieb das liebe Borstenvieh sein Wesen. Und das Haus! Gott sei mir gnädig! Keine Scheibe ganz; alle Fensterrahmen mit alten Hosen und Kitteln und zerrissenen Weiberröcken ausgestopft. Ich konnte keine Orangen- und Citronenlauben erwarten, ich hatte sie nicht gepflanzt; aber dieß! — nein, es war wirklich zu arg.
Jedes Gemälde sollte seine Schattenseite haben, wenn es nicht ein à la Fresco-Gemälde ist; aber hier war Alles Schatten — Nacht. Keine lebendige Seele zu sehen während unserer Tour vom Ufer durch die modernden Riesenstämme, zwischen denen wir uns durchzuwinden hatten. Hier endlich läßt sich etwas Lebendiges sehen. Es ist ein Trio schwarzer Ungethüme, die mit Marius und Sylla sich im Kothe herumbalgen, ein halbes Hemde am Leibe, und schmutzig wie es nur Menschenkinder sein können. Und die Affen, sie starren mich mit ihren rollenden Augen an, und galloppiren dann lachend hinters Haus. Ah! die alte Sibylle! Sie steht vor einem Kessel, der von einer Stangenpyramide herabhängt: ein wahres Contrefait der Macbethischen Hexen. Nun starrt sie auf uns, ohne sich jedoch zu bewegen. Ich muß ihr schon selbst meine Aufwartung machen. Ah, nun erkennt sie mich, und kommt mit ihrem ungeheuren Löffel auf mich zugeschritten. Es wundert mich, daß sie ihren Truthahnkragen noch nicht umgedreht, der mich fünf und siebenzig Thaler kostete. Nun rennt sie und schreit und weint vor Freuden. Ein Wesen denn wenigstens, das Freude bei meiner Ankunft äußert. Und die Aengstlichkeit, mit der sie auf den Kessel und die drei Pfannen hinsieht, in denen Schinken und getrocknetes Schweinefleisch kochen; sie ist augenscheinlich noch nicht mit sich eins, ob sie Kessel und Pfannen oder mich im Stiche lassen soll. Doch der Creole scheint ihren Jammer aufs höchste zu steigern. Sie erhebt ihre gellend durchdringende Stimme; niemand läßt sich jedoch blicken.
Et les chambres, heult sie, et la maison et tout, tout —
Ich wußte nicht, was sie mit ihrer Jeremiade wollte. Sie deutete auf meinen Begleiter, krächzend: Mais mon Dieu! pourrais-je seulement un moment — Tenez-la, Massa! bat sie, indem sie mir den Löffel hinhielt, und eine Bewegung des Umrührens machte, und wieder auf das Haus deutete.
Que voulez-vous donc! rief ich aufgebracht, und nun kam die Aufklärung: die Zimmer waren nicht gereinigt, nicht gelüftet, kurz, in einem Zustande, der nicht zuließ, daß ein Fremder sie betrete. Sie brauchte nichts als eine kleine Viertelstunde, sie in Ordnung zu bringen, und während dieser Zeit würde ich wohl so gut sein, der Ehre des Hauses wegen einstweilen das Gemüse und die Fleischklumpen im Kessel umzuwenden, und die Pfannen dabei nicht vergessen. Ich hieß sie zu allen Teufeln gehen und kehrte mich dem Hause zu. Einen Trost hatte ich, den nämlich, daß meines Begleiters Residenz wahrscheinlich nicht glänzender, wenn ja noch so gut war; diese Creolen oberhalb Alexandria leben noch wie die halben Indianer. Auch schien Monsieur Menou der horrible Zustand meines Hauswesens gar nicht zu befremden. Als wir in den Salon kamen, fand ich, statt der Sophas und Sessel, Haufen von grünem und mexikanischem Cotton-Samen; in einer Ecke alte Wolldecken, in der andern einen Waschzuber. Die Zimmer waren noch ärger hergenommen: in meinem Schlafkabinette hatte Bangor seine Residenz aufgeschlagen, und die Musquittovorhänge waren wahrscheinlich in Mistreß Bleaks Behausung gewandert. Ich eilte von dieser gräuelvollen Unordnung dem Hofe zu, mein ganzes Wesen war aufgeregt.