Sollt je ein Zwist der Freundschaft Ruhe kränken,
Sollt übereilt ich ihr zum Nachtheil denken,
Und meinem Freund ein Anstoß seyn:
So eil ich schon, den Fehler zu gestehen.
Wars klein von mir, ihn hitzig zu begehen:
So ist es groß, ihn zu bereun.
Mensch, lerne doch dein Leben dir versüssen,
Und laß dein Herz von Freundschaft überfliessen,
Der süssen Quelle für den Geist!
Sie quillt nicht bloß für diese kurzen Zeiten;
Sie wird ein Bach, der sich in Ewigkeiten
Erquickend durch die Seel ergeußt.
Dort werd ich erst die reinste Freundschaft schätzen,
Und bey dem Glück, sie ewig fortzusetzen,
Ihr heilig Recht verklärt verstehn.
Dort werd ich erst ihr ganzes Heil erfahren,
Mich ewig freun, daß wir so glücklich waren,
Fromm mit einander umzugehn.
[Der Ruhm.]
Was ist das Gut, nach dem du strebst,
Der Ruhm, für den du denkst und lebst?
Wags, du sein Freund, ihn zu betrachten!
Gewährt er, was er dir verspricht,
So bleib ihm treu. Gewährt ers nicht,
So lern ihn dreist verachten.
Welch Glück, wenn mich ein Grosser schätzt,
Der Fürst an seine Seite setzt,
Und laut mir seinen Beyfall schenket!
Alsdann wird mein Verdienst bekannt;
Dann denkt von mir das ganze Land
Groß, wie mein Ehrgeitz denket.
Wer ist der Grosse, der dich ehrt?
Sprich, kennt er der Verdienste Werth?
Setz ihn im Geist aus seinem Stande!
Vielleicht wird dir sein Beyfall klein;
Vielleicht hältst dus, ihm werth zu seyn,
Nunmehr für eine Schande.
Wenn itzt des Dichters Lobgedicht,
Der Redner göttlich von dir spricht,
Und laut dich die Geschichte preisen;
Wenn, auf ihr Wort, die halbe Welt
Dich für den größten Weisen hält;
Wirst du darum zum Weisen?
Wächst deiner Tugend etwas zu,
Gewinnet deines Geistes Ruh;
Wenn viele deinen Namen hören?
Bist du beglückt, in dir beglückt?
Wenn Thor und Thörinn auf dich blickt,
Und Länder dich verehren?
Suchst du den Ruhm nicht in der Pflicht,
Giebt dir dein Herz den Beyfall nicht;
Was wird dir andrer Beyfall nützen?
Und hast du deinen Ruhm in dir;
Was sorgst du kummervoll dafür,
Den äussern zu besitzen?