Ein Herz, das nie sich selbst mit Ernst bekämpfet,
Nie Stolz und Neid und Eigensinn gedämpfet;
Liebt dieses Herz wohl dauerhaft.
Wie bald wirds nicht durch kleine Fäll ermüden!
Es fühlet sich, und stört der Freundschaft Frieden
Durch ungezähmte Leidenschaft.

Hast du das Herz, mit dem du dich verbunden,
Dem deinen gleich, der Liebe werth gefunden:
So thue, was die Weisheit spricht.
Sie heißt in ihm dich jede Tugend ehren,
Wie sehr du liebst, durch Thaten ihn belehren,
Und macht sein Glück zu deiner Pflicht.

Sie legt dir auf, sein Gutes nachzuahmen.
Du ahmst es nach, und du belebst den Saamen
Der Eintracht und der Zärtlichkeit.
Du sorgst mit Lust für deines Freundes Ruhe,
Er, ob er gnug, dich zu verdienen, thue;
Und eure Treu wächst durch die Zeit.

Dein Freund, ein Mensch, wird seine Fehler haben;
Du duldest sie bey seinen grössern Gaben,
Und milderst sie mit sanfter Hand.
Sein gutes Herz bedient sich gleicher Rechte,
Begeistert deins, wenns minder rühmlich dächte,
Und sein Verstand wird dein Verstand.

Wenn, ungewiß bey meiner Pflicht, ich wanke,
Wie stärkt mich oft der selige Gedanke:
Was thät Arist bey dieser Pflicht?
Verfahre so, als wär er selbst zugegen.
So giebt ein Blick auf ihn mir ein Vermögen;
Und der erst wankte, wankt itzt nicht.

Ein gleicher Zweck, des Geistes höchste Freude,
Der Weisheit Glück, vereint und führt uns beide;
Denn ich und er, sind beid ihr Freund.
Ein gleiches Gut, das höchste Gut der Erden,
Der Tugend Glück, läßt uns zufriedner werden;
Denn nur für sie sind wir vereint.

Ich eile froh, sein Glück ihm zu versüssen;
Doch daß ichs that, soll er nicht immer wissen;
Mein Herz belohnt mich schon dafür.
Und wenn ich ihm vor seinen Augen diene,
Entzieh ich doch dem Dienst des Dienstes Miene,
Als nützt ich minder ihm, denn mir.

Theilt er mit mir die Last der grössern Sorgen;
So bleibt von mir die kleinst ihm nicht verborgen,
Und schwindet in Vertraulichkeit.
Kaum klag ichs ihm, was mich im Stillen drücket:
So hat sein Blick oft schon mein Herz erquicket,
Eh mich sein Mund mit Trost erfreut.

Entfernt von ihm wird mir ein Glück zu Theile;
Und wenn im Geist ichs ihm zu sagen eile,
Wird mir dieß Glück gedoppelt süß.
Entfernt von ihm drohn mir des Unglücks Pfeile;
Und wenn im Geist ichs ihm zu klagen eile,
So fühl ich minder Kümmerniß.

Wenn wir vertraut, mit aufgewecktem Herzen,
Nach reifem Ernst, die Stund uns froh verscherzen:
So bildet der Geschmack den Scherz.
Den Witz, den Geist, die uns itzt scherzen lehren,
Beseelt die Lieb; und daß wir uns verehren,
Vergißt auch nie das muntre Herz.