Wie lange läßt du dich, o Thor, vom Ruhm beseelen!
Du siehsts, er quälet dich, und wird dich ewig quälen.
Wie bey des Fiebers Glut den Durst, der dich verzehrt,
Der oft genoßne Trank nie stillt und stets vermehrt:
So wird durch allen Ruhm, den man für dich empfindet,
Dein Ehrgeiz nicht gestillt, nur immer mehr entzündet.
Betrachte doch den Ruhm, vielleicht verlöscht die Glut.
Ist nicht der größte Ruhm ein klein und flüchtig Gut?
Ein kleines Gut, sprichst du, wenn eine Welt mich ehret,
Und, was sie von mir denkt, mich durch Bewundrung lehret?
O Freund! dieselbe Welt, die deinen Namen preist,
Hat oft in einem Tag ein Wandrer durchgereist.
Was pralst du mit der Welt? Der kleinste Theil der Erden
War noch nicht klein genug, von dir erfüllt zu werden.
Der Mann, von dem du denkst, daß er dich schätzt und liest,
Weis warlich vielmal kaum, daß du gebohren bist;
Und der, auf dessen Gunst du zehnmal stolz geschworen,
Lacht heimlich über dich und zählt dich zu den Thoren.
Doch der Bewundrer Zahl, die dich mit Ruhm erfreun,
Sey Millionen stark, wirst du drum glücklich seyn?
Wer sind die Willigen, die dich zum Wunder machten?
Ists meistens nicht ein Volk, das ich und du verachten?
Hat einer oder zween, wenn hundert dich genannt,
Zum Lobspruch gnug Geschmack, zum Richten gnug Verstand?
Sey stolz! Zehn lobten dich; allein von eben diesen
Ward, sey nicht länger stolz, bald drauf ein Geck gepriesen.
»Sind denn nicht Kenner da? Was sagen die von mir?«
Sie loben dich: noch mehr, sie sind entzückt von dir.
An dir hat unsre Zeit den feinsten Geist bekommen,
Du bist der klügste Kopf; sie selber ausgenommen.
Fast jeder, der dich lobt, belohnt sich für den Dienst,
Und ist sich ingeheim, was du zu seyn ihm schienst.
Dein Kenner ist, wie du, hat göttlich schöne Gaben;
Doch auch, wie du, den Stolz, sie nur allein zu haben.
Viel rühmen dich. Warum? Aus Ueberzeugung? Nein.
Man lehrt durch Höflichkeit dich wieder höflich seyn.
Warum hat dich Crispin so vielmal schon erhoben?
Er wird dein Lob, um sich der Welt selbst einzuloben.
Der Redner rühmet dich; nicht, weil dus würdig bist,
Nein, um uns darzuthun, daß er ein Redner ist.
Hier spricht ein Tisch von dir. Wie? schätzen dich die Blöden?
O nein, sie wollten itzt nicht mehr von Wetter reden.
Sarkast lobt heute dich; warum? dächtst du das wohl?
Damit sein künftger Spott mehr Eindruck machen soll.
Gesetzt, daß Tausend sich im Ernst für dich erklären,
Gesetzt, dein Ruhm ist groß, wie lange wird er währen?
Ein Herz, das diesen Tag bey deinem Namen wallt,
Bleibt oft den folgenden bey deinem Namen kalt.
Man wird es heimlich satt, dich immer hoch zu achten,
Und hört schon denen zu, die dich zu stürzen trachten.
Entgeht ein Sterblicher wohl je der Tadelsucht?
Ist nicht des Andern Neid selbst deines Ruhmes Frucht?
Der Kluge wird an dir bald wahre Fehler merken,
Und mit erdichteten wird sie der Neid verstärken.
Man hört den Spötter an und liebt ihn noch dazu;
Denn daß du Fehler hast, gehört zu unsrer Ruh.
So sicher ist der Ruhm der Helden und der Weisen.
Und um ein solches Gut willst du dich glücklich preisen?
Du sammelst, was dich flieht, mit Müh und Zittern ein,
Und wenn dus endlich hast: so ist es noch nicht dein.
Soll man für so ein Gut, noch eh man es besessen,
Dann auch, wenn mans besitzt, des Lebens Ruh vergessen?
Erfahrung und Vernunft, o steht uns beide bey!
Macht von der Ehrfurcht uns, wie von dem Geldgeiz, frey.
Nicht Ruhm noch Ueberfluß kann unsre Wünsche stillen;
Von beiden steht auch keins allein in unserm Willen.
Was beides unserm Geist gab und zu geben schien,
Rührt seine Fläche nur und dringt nicht selbst in ihn.
Ein Gut, das glücklich macht, muß, solls mich wahr entzücken,
Nicht unbeständig seyn und für den Geist sich schicken.
Habt Wollust, Ruhm und Macht; ihr habts und wünscht noch mehr;
Noch immer bleibt ein Theil in eurer Seele leer.
Und dieser leere Theil, für wen ist er beschieden?
O Tugend! giebst denn du vielleicht dem Herzen Frieden?
Ja, Mensch, erwirb dir sie: so wirst du ruhig seyn.
Sey weise, lieber Freund, schränk die Begierden ein.
Wahr ists, die Kunst ist schwer, sich selber zu besiegen:
Allein in dieser Kunst wohnt göttliches Vergnügen.
Dein Wunsch ist Ueberfluß; doch eh du ihn noch stillst,
Verfliegt ein Leben schon, das du geniessen willst.
Was suchst du viel? O lern, was du nicht brauchest, meiden!
Und was du hast, genieß! Die Welt ist reich an Freuden;
Du aber bist zu schwach, die Freuden auszuspähn,
Und glaubst, wo tausend sind, kaum eine nur zu sehn.
Gönn jedem gern sein Glück; lern vortheilhaft empfinden
Und in der andern Glück ein Theil von deinem finden!
Dem warf die Schickung viel, dir aber wenig zu.
Ist jener glücklicher, der reicher ist, als du?
Du denksts und lügest dir. Steig glücklich auf die Thronen,
Du wirst des Thrones Glück doch fühllos bald gewohnen,
Und sehn, daß jener dort, den eine Hütt umschließt,
Der wenig hat und braucht, drum noch nicht elend ist,
Und oft, wenn ihn ein Quell nach strenger Arbeit kühlet,
Mehr Wohllust bey dem Quell, als du beym Weine, fühlet.
Entbehrt er eine Lust, die dir der Reichthum schenkt:
So kränkt ihn das auch nicht, was dich als Reichen kränkt.
Such solche Freuden auf, die still dein Herz beseelen,
Und, wenn du sie gefühlt, dich nicht mit Reue quälen.
Was sorgst du, ob dein Ruhm die halbe Welt durchstrich?
Dein Freund, dein Weib, dein Haus sind Welt genug für dich.
Such sie durch Sorgfalt dir, durch Liebe zu verbinden,
Und du wirst Ehr und Ruh in ihrer Liebe finden.
Ein jeder Freundschaftsdienst, ein jeder treuer Rath,
So klein die Welt ihn schätzt, ist eine große That.
Auch in der Dunkelheit giebts göttlich schöne Pflichten,
Und unbemerkt sie thun, heißt mehr, als Held, verrichten.
Ein Richter sieht in dir stets deiner Absicht zu,
Lohnt, wenn du edel willst, dir mit geheimer Ruh.
Du streitest wider dich; kaum ist der Sieg gelungen:
So krönt sein Beyfall schon das Herz, das sich bezwungen.
Willst du dich an der Welt, an Lieb und Freundschaft freun,
Gern öffnet er dein Herz und läßt die Freuden ein;
Er schärfet dein Gefühl; da lacht mit reichem Segen
Die prächtige Natur dem heitern Aug entgegen.
Wohin du gehst, geht auch sein stiller Beyfall mit,
Und jeder Ort wird schön, den nur dein Fuß betritt.
Du schleichst durchs bunte Thal, streifst durch die grüne Heyde!
Und was du siehst, ist Lust, und was du fühlst, ist Freude.
Dein Aug erweitert sich und mit ihm selbst dein Geist;
Siehst, wie der stolze Baum Gott, seinen Schöpfer, preist,
Siehst, wie durch Fruchtbarkeit die Saaten ihn verehren,
Und des Berufs sich freun, die Menschen zu ernähren;
Siehst, wie das kleinste Gras, das dort in Demuth steht,
Den mit verborgner Kunst, der es gemacht, erhöht;
Du siehsts und wirst entzückt. Dir lacht die ganze Fläche,
Dir weht der sanfte West, dir rauschen frohe Bäche,
Dir singt der Vögel Chor, dir springt zufriednes Wild,
Und alles ist für dich mit Wollust angefüllt;
Und du, an Unschuld reich, und sicher im Gewissen,
Triffst da viel Freuden an, wo Tausend sie vermissen.
Frey von des Neides Pein, frey von des Geizes Last,
Strebst du nach wenigem, und hast mehr, als du hast,
Siehst stets auf deine Pflicht, oft auf dein kurzes Leben,
Nie ohne Freudigkeit auf den, der dirs gegeben.
Du siehst durch dessen Hand, der war, eh du gedacht,
Den Plan zu deinem Glück von Ewigkeit gemacht,
Den Plan zum Glück des Wurms, der itzt vor dir verschwindet,
Und Nahrung und ein Haus im kleinsten Sandkorn findet.