In deines Freundes Arm, an deiner Gattinn Brust,
Wird oft ein kleines Glück für dich die größte Lust.
Und kömmt ein Ungemach, (denn wer hat keins zu tragen?)
So ists doch schon ein Trost, es ihm und ihr zu klagen.
Du hörst, daß dich dein Feind zu lästern sich erkühnt.
Es schmerzt; doch Trost genug, du hast es nicht verdient.
Ein Unfall raubt dein Gut, ein Räuber hats entführet.
Es schmerzt; doch Glück genug, daß Gott die Welt regieret.
Du fühlst ein ander Weh; du fühlst der Krankheit Pein;
Doch Trost genug, nicht krank durch eigne Schuld zu seyn.
Dir raubt der Tod dein Weib, den Freund, den einzgen Erben.
Es schmerzt; doch Trost genug, sie waren werth zu sterben.

So sey dein liebstes Gut ein frommes weises Herz.
Dieß mehre deine Lust, dieß mindre deinen Schmerz;
Dieß sey dein Stolz, dein Schatz, dein höchstes Ziel auf Erden.
Sonst alles, nur nicht dieß, kann dir entrissen werden.
Zu wissen, es sey dein, zu fühlen, daß dus hast,
Dieß Glück erkaufst du nicht um aller Güter Last;
Und ohne dieses Herz schmeck noch so viel Vergnügen,
Es ist ein Rausch, und bald, bald wird der Rausch verfliegen.

[Der Christ.]

Mensch, der du Christen schmähst, was ist in ihrer Lehre,
Das der Vernunft ein Schimpf und Gott nicht rühmlich wäre?
Verdient sie deinen Haß, verdient sie deinen Spott?
Zeig uns ein besser Glück und einen bessern Gott,
Als uns die Schrift gezeigt. Komm, zeig uns schönre Pflichten,
Mehr Antrieb, sie dem Gott der Menschen zu entrichten,
Mehr Tugend für das Herz und für das Glück der Welt,
Mehr Trost, wenn sein Gericht der Richter in uns hält,
Mehr Licht, wenn fürchterlich uns finstre Zweifel quälen,
Mehr Edelmuth im Glück, in Noth mehr Ruh der Seelen.
Bring eine Lehre vor, die besser für uns wacht,
Uns weiser, ruhiger und tugendhafter macht:
Und dann will ich mit dir die Schrift mit Spott betrachten,
Ihr Wort für Menschenwort und deins für Gottes achten.
Bring diese Lehre vor; wo nicht, so sey ein Christ,
Wenn du, wie du dich rühmst, ein Freund der Wahrheit bist.
Sonst fürcht ich, daß dein Herz, sein Laster zu verehren,
Den Gott nicht kennen will, den seine Boten lehren.

Auf, Dichtkunst! ehre den, den stolz der Freygeist schilt,
Und zu des Christen Ruhm entwirf des Christen Bild!
Ist er der Weise nicht, der nach der Wahrheit strebet?
Durch sie erleuchtet, denkt, durch sie gebessert, lebet?
Er ehret die Vernunft, und das, was ihr gebricht,
Ersetzt in seinem Geist ein göttlich heller Licht.
Er ists, der von dem Wahn die Wahrheit unterscheidet,
Und, frey vom Vorurtheil, und von dem Stolz entkleidet,
Die engen Grenzen kennt, die ein Verstand ermißt,
Dem Gott oft Dunkelheit, der Mensch ein Räthsel ist.
Er nimmt die Weisheit auf, mit der Gott unterrichtet;
Und dessen Ausspruch ists, der seine Zweifel schlichtet,
Der ihm das Licht ertheilt, die Nebel zu zerstreun,
Den Muth, Trotz allem Wahn, der Wahrheit treu zu seyn,
Des Irrthums Tyranney und die bewehrten Lügen
Des Lasters, das sie schützt, durch Glauben zu besiegen.
Er kennet sich und Gott; sein Wort wird ihm Verstand.
So hat kein Sokrates, kein Plato, Gott gekannt.

Durch dich, so spricht der Christ, bin ich, o Gott! vorhanden.
Die Himmel und ihr Heer sind durch dein Wort entstanden;
Denn, wenn du sprichst, geschiehts, wenn du gebeutst, stehts da.
Mit Allmacht bist du mir und auch mit Güte nah!
Du bist der Gott der Kraft; dich preisen Erd und Meere,
Und Himmel predigen die Wunder deiner Ehre.
Dich bet ich dankend an. Mein Heil kömmt von dem Herrn.
Du hörst der Menschen Flehn und du errettest gern.
Und wenn ich deiner Hülf, o Gott! gewürdigt werde,
Was frag ich ausser dir nach Himmel und nach Erde?
Im Himmel donnerst du, und Schrecken füllt das Land;
Noch fürcht ich nichts, denn du hältst mich bey deiner Hand.
Wenn ich die Himmel seh, die du, Herr, ausgebreitet,
Der Sonne Majestät, den Mond, den du bereitet,
Was ist der Mensch, o Gott! daß seiner du gedenkst?
Unzählich ist das Gut, das du ihm täglich schenkst.
Als Schafe läßt du uns auf grünen Auen weiden,
Stärkst uns mit Speis und Trank, füllst unser Herz mit Freuden.
Du sahst mich, eh der Grund der Welt geleget war;
Zogst mich aus Mutterleib, und eh sie mich gebar,
Wogst du mein Glück mir ab, und Leiden, die mich üben;
Und meiner Tage Zahl war auf dein Buch geschrieben.
Du bist der Frommen Schutz und bist der Müden Ruh,
Ein Gott, der gern verzeiht; wo ist ein Gott, wie du?
Wem soll ich sonst vertraun, als dir, du Gott der Götter?
Wen ehren, als nur dich, mein Schutz und mein Erretter?
Wie süß ist dein Befehl! gieb mir dein Herz, mein Sohn,
Und liebe mich; ich bin dein Schild und grosser Lohn!
Herr! dein Gebot ist Heil und deine Wahrheit Leben.
Wie könnt ich einem Gott der Liebe widerstreben?
Umsonst lockt mich das Glück, in dem das Laster blüht;
Könnt ich ein Sünder seyn, da mich dein Auge sieht?
Auch im Verborgnen nicht soll ihm der Sieg gelingen;
Denn du wirst aller Werk einst vor Gerichte bringen.
Umsonst reizt mich die Lust, von Fleisch und Blut versüßt;
Ich weis es, daß mein Leib ein Tempel Gottes ist.
Sollt ich der Menschen Ruhm stolz zu erringen trachten?
Nein, Herr! wenn du mich ehrst, mag mich der Mensch verachten.
Ist es des Reichthums Glück, dem ich die Seele weih?
Um Reichthum ließ ich Gott? Geiz ist Abgötterey!
Sollt ich durch Schmähungen des Nächsten Ruhm verderben?
Wer seinen Bruder haßt, kann Gottes Reich nicht erben.
Verläugnen sollt ich dich, wenn die Tyrannen drohn?
Du bist der Fürsten Herr, sprich! und sie fallen schon.
Verläugnen sollt ich dich, wenn Spötter deiner spotten?
Dich, Heiland! bet ich an; du eilst, sie auszurotten.
Dein Kreuz ist Thorheit nur dem, der verloren geht;
Uns, die der Glaube stärkt, ists Heil und Majestät.
Darf sich ein Mensch vor Gott, gerecht zu seyn, erkühnen?
Und wer, als Gottes Sohn, konnt uns mit Gott versühnen?
Ist beides nicht gleich groß, der Welt ein Schöpfer seyn,
Und eine Welt, die fiel, vom Falle zu befreyn?
Wer kann die Majestät der Lieb und Großmuth fassen?
Als Sohn des Ewigen der Gottheit Thron verlassen,
Sich selbst erniedrigen, einher in Demuth gehn,
Der Wahrheit Herold seyn und sich verspottet sehn,
Die Wunder Gottes thun, und, an das Kreuz geschlagen,
Mit himmlischer Geduld des Menschen Schulden tragen,
Um der zu seyn, der ihm ein ewigs Heil erwirbt?
Deß Herz ist göttlich groß, der selbst für Feinde stirbt!
Erschrickt nicht die Vernunft? Ja! denn sie soll erschrecken.
Zu schwach, der Gottheit Rath vom Menschen zu entdecken,
Bet ich der Liebe Macht, die ich nicht fassen kann,
Gott ist kein Mensch, wie ich, in tiefster Demuth an.
Der Tag der Ewigkeit wird mehr Licht mir gewähren,
Des Gottmeßias Lieb im Schauen mir erklären.
Unendlich ist mein Heil. O Glaube, der erfreut!
Gelobet sey der Herr, gelobt in Ewigkeit!

So spricht, und glaubt der Christ. Lern mehr sein Herz noch kennen,
Du wirst, sein Feind zu seyn, dir länger nicht vergönnen.
Ist seine Lehr ein Werk, das den Verstand nur übt?
Ihm Licht, doch auch zugleich mehr Stolz dem Herzen giebt?
Nein, edler wird sein Herz. Die Lüste zu besiegen,
Die, wider die Vernunft, sein Glück und deins bekriegen,
Dieß ist sein göttlich Amt. Nicht siegt er durch die Kraft,
Die bald der Eigennutz und bald der Stolz erschafft.
Nicht, als vor Menschen nur, die nach den Augen richten,
Nein, selber als vor Gott, erfüllt er seine Pflichten.
Die Strenge seiner Pflicht, die dir so traurig scheint,
Macht ihn zum Freudigsten. Er weis, Gott ist sein Freund.
Ja, streng ist seine Pflicht und schwer sind seine Werke;
Doch ein unendlich Glück, wie viel ertheilt dieß Stärke?
Der Christ fühlt dieses Glück. Heil und Unsterblichkeit
Glaubt er, von Gott belebt, und überwindet weit.
Ist dieß kein edles Herz, das brüderlich dich liebet?
Mit dir sich gern erfreut, sich gern mit dir betrübet?
Der Christ erblickt dein Gut; kein Neid empöret ihn;
Ihn heißt sein eignes Glück für dein Glück sich bemühn.
Und wenn du elend bist, wie gütig wird er eilen,
Von dem, was Gott ihm gab, dir hülfreich mitzutheilen!
Nicht dienet dir der Christ, groß vor der Welt zu seyn,
Und sich verehrt zu sehn. Nein, Menschen zu erfreun,
Dieß ist sein Gottesdienst; und unbemerkt von ihnen
Wird er mit Hülfe hier und dort mit Rathe dienen.
Nicht treibt ihn erst dein Dank zu reicher Wohlthat an;
Nein, was er Brüdern thut, das hat er Gott gethan.
Ein Trunk, mit dem sein Dienst dem Durstigen begegnet;
Ein Blick voll Trost, mit dem sein Herz den Müden segnet;
Ein Rath, mit dem er dich in deinem Kummer stärkt,
Nichts, weis er, ist so klein, das nicht der Herr bemerkt.
Eilt dort ein boshaft Herz, Unfrieden anzurichten:
So eilt sein sanfter Muth, der Brüder Zwist zu schlichten.
Er wird der Unschuld Schutz; ihr Leiden ist sein Schmerz;
Und ist sein Schutz zu schwach: arbeitet doch sein Herz.
Er hilft den Dürftigen die Mittel gern ersinnen,
Durch Fleiß ihr eigen Brodt in Ruhe zu gewinnen;
Er legt durch Sparsamkeit, zu zarter Waisen Glück,
Die seine Hand erzieht, den Ueberfluß zurück;
Und er erspart das Gut, das Stolz und Pracht verzehren,
Den Kranken zu erfreun, die Wittwe zu ernähren.
Noch stärker nimmt sein Herz an deiner Tugend Theil.
Sein Beyspiel lehret dich; und einer Seele Heil
Ist ihm das größte Glück. Dir mangeln gute Sitten;
Er giebt dir Unterricht und stärket ihn durch Bitten.
Er sieht ein redlich Herz, das durch des Freygeists Spott
Im Glauben wanken will; er siehts, und wird sein Gott.
Er sieht, des Jünglings Fuß verläßt den Weg der Tugend;
Er eilt, als wärs sein Sohn, und rettet seine Jugend.
Oft sagt er, wenn du fehlst, es dir aus Demuth nicht;
Doch ein lehrreicher Blick ruft dich zu deiner Pflicht.
Sey groß, nicht aber fromm! er wird dein Herz verachten.
Sey klein und fromm! er wird nach deiner Liebe trachten.
Wenn kränkt sein reiner Mund aus Schmähsucht deine Ruh?
Er rühmet dein Verdienst, deckt deine Fehler zu,
Und wagt, wenn deinen Ruhm und wenn den Ruf der Deinen
Ein Lästrer schänden will, für deinen Ruhm den seinen.
Er ist der wahre Freund. Sein Herz, in sich erfreut,
Verbreitet gern in deins den Tag der Heiterkeit.
Von Lüsten nicht beherrscht, fühlt er mit offnem Triebe
Der Freundschaft heiligs Glück; und seine Seel ist Liebe.
Er ehrt mich, wie sich selbst, und liebt mich treu wie sich:
Sein Umgang giebt mir Muth, und ihm vertrau ich mich,
Mein Weib, mein Kind, den Rath, mein künftigs Glück zu bauen.
Wer Gott vor Augen hat, wie sollt ich dem nicht trauen?

Nur ists allein der Christ der keine Rache sucht,
Den liebt, der ihn verfolgt, den segnet, der ihm flucht.
Er bleibt sich gleich, denkt groß: Laß meinen Feind mich schelten,
Die Rach ist mein, spricht Gott, und ich, ich will vergelten.
Beleidigt handelt er noch als ein Menschenfreund:
Sein Feind ist ohne Brodt; er speiset seinen Feind.
Sein Feind geht bloß einher; der Christ erblickt sein Leiden,
Großmüthig läßt er den, der ihn verfolgte, kleiden.
Doch, wer den Schimpf erträgt, hat der wohl Edelmuth?
Räch ich nicht rühmlicher die Ehre durch mein Blut,
Wenn ich des Unrechts dich durch Waffen überführe?
Mein Muth sucht deinen Fall — Dieß ist der Muth der Thiere!
Thor, ruft mir die Vernunft, ist denn das Leben dein?
Kämpf sieghaft, fäll den Feind; wirst du kein Mörder seyn?
Kein Feind des Vaterlands, den seine Rächer suchen,
Und kein Rebell vor Gott, dem alle Himmel fluchen?
Doch rächt mein Arm sich nicht: so wird mein Nam ein Spott;
Die Welt — Ist denn die Welt mehr, als ein starker Gott?
Und ist der Christ kein Held, der dir den Kampf versaget,
Und doch fürs Vaterland sein Blut mit Freuden waget?
Wer wird zur Zeit der Pflicht den Tod wohl minder scheun,
Als der, der herzhaft glaubt, ich werd unsterblich seyn?
Wird, in der Hand des Herrn, ihn die Gefahr erschüttern?
Nein; doch wer Gott nicht scheut, der muß vor allem zittern.

Geh itzt dem Christen nach, und folg ihm in sein Haus.
Verehret und geliebt, theilt er hier Freuden aus,
Sucht durch belebten Fleiß die Seinen wohl zu nähren,
Durch kluge Sparsamkeit des Fleisses Frucht zu mehren.
Sein Weib, sein würdigs Weib, erleichtert ihm die Müh,
Lohnt ihm mit Zärtlichkeit, und er empfindet sie.
Als Vater eilt er fromm, der Kinder Glück zu gründen,
Und in dem ihrigen seins noch einmal zu finden.
Er bildet gern ihr Herz; und an des Vaters Hand,
Regiert durch Gottesfurcht, geleitet durch Verstand,
Wächst sein gesittet Kind; und er schmeckt Heil und Leben,
Dem Himmel und der Welt ein würdigs Glied zu geben.

Klug, ohne Hinterlist, streng, ohne Bitterkeit,
Noch liebreich, wenn er straft, noch sanft, wenn er gebeut,
Regiert der Christ sein Haus; und göttliche Gesetze
Sind seines Wandels Licht und seines Hauses Schätze.
Dem Niedern, der ihm dient, begegnet er gerecht.
Giebt gern ihm seinen Lohn, und ehrt in seinem Knecht
Ein göttliches Geschöpf, das, gleich den Herrn der Erden,
Hier lebt, um tugendhaft und glücklich einst zu werden.
Er ist des Knechtes Fürst; doch niemals sein Tyrann.
Er straft und zeigt ihm auch, daß er vergeben kann;
Hält ihn von Lastern ab, vermindert ihm das Leiden,
Belohnet seine Treu, und sorgt für seine Freuden.