Wie treu gehorcht er dir, du, seines Landes Fürst?
Gebeut! und er vollzieht, was du gebieten wirst.
Der Gott, den er verehrt, hat dir den Thron gegeben,
Den stützt er durch sein Gut und schützt ihn durch sein Leben.
Mißbrauche die Gewalt; er trotzt ihr nicht; er fleht,
Und blickt mit Ehrfurcht noch auf deine Majestät.
Gebeut ihm, was du willst, nur nichts, was Gott verboten;
Dann widersetzt er sich, wenn alle Fürsten drohten.
Der Christ, ist der ein Freund der blöden Schüchternheit,
Die vor den Menschen flieht und die Gesellschaft scheut?
Nein, Freund, er wird mit Lust und ruhigem Gewissen
Das Glück, ein Mensch zu seyn, des Umgangs Glück, geniessen.
Gott schuf ihn nicht zur Quaal. Lad ihn zu Freuden ein;
Er scherzt mit seinem Witz, lacht heitrer bey dem Wein,
Freut sich des Saitenspiels; und Lieb in deinen Blicken,
Und Freud auf deiner Stirn, wird seine Seel entzücken.
Dieß, daß er Freude schmeckt und mäßig sie genießt,
Ist selbst der Wohlthat Dank, den er Gott schuldig ist;
Und heut erquickt er sich, um morgen seine Pflichten,
Als Bürger und als Christ, gestärkter zu entrichten.
In dem Vergnügen selbst wird er sich ein Gesetz.
Doch ist dein Umgang nichts, als ein beredt Geschwätz,
Nichts, als ein leer Gewerb vornehmer Eitelkeiten,
Nichts, als der Witz, den Ruhm der andern zu bestreiten;
Ists nichts, als Schmeicheley, nichts, als der Geist der Pracht,
Des Balles und des Spiels, der so beredt dich macht:
So wird er seine Zeit ungern bey dir verschwenden.
Er ist zu klug, um sie nicht edler anzuwenden.
Nennst du dieß Lebensart, sich, aus Geselligkeit,
Den Taumel wilder Lust, das Glück der Trunkenheit,
Den Kützel frechen Spotts im Umgang zu vergönnen:
So ist der Christ kein Mann von Lebensart zu nennen.
Wie ruhig ist der Christ, wenn sich der Unchrist quält!
Ihm gnügt bey wenigem, wenn diesem alles fehlt.
Erringt er sich in Müh ein elend Glück durch Ränke?
Ists Niederträchtigkeit, sinds fesselnde Geschenke,
Wodurch er sich die Gunst des Mächtigern erschleicht?
Zufrieden mit dem Glück, das man durch Fleiß erreicht,
Und durch Verstand beschützt; nicht durstig nach den Ehren,
Die deinen Rang, mit ihm die Knechtschafft auch vermehren;
Dem Amte, das er ziert, und seiner Pflicht getreu,
Lebt er von mancher Quaal, die dich verfolget, frey.
Die Last des Uebermuths, in der sich Stolze quälen,
Die Müh, mit der sich selbst die Geizigen bestehlen,
Die Pein, die sich zum Lohn der Schwelger wild erpraßt,
Der Fluch, den vor der Welt der Hasser sich erhaßt,
Der Schmerz, mit dem der Neid sein feindlich Herz verzehret,
Das Gift, das früh den Lenz des Wollüstlings verheeret,
Der Schimpf, mit dem, bestraft, dort ein Verschwender irrt,
Der Haß, der endlich noch des Lästrers Rächer wird;
Dieß alles, und was sonst die Laster büssend tragen,
Sind, tugendhafter Christ! dir unbekannte Plagen,
Und hier kannst du dich schon des Lohns der Tugend freun.
Doch drückt kein Elend ihn? Ja, laß ihn elend seyn,
Und dann wirst du sein Herz in seiner Größ erblicken;
Groß durch Religion, wenn ihn die Leiden drücken.
Das Feuer frißt sein Gut, der Hagel seine Saat;
Kränkt dieß den Christen nicht? Es kränkt ihn; doch der Rath
Der Vorsicht wird sein Trost. Wenn hier der Unchrist tobet,
So spricht der Christ: Gott gabs; Gott nahms; Er sey gelobet!
Ihn drückt der Armuth Last, sein Leben ist nur Müh.
Er fühlt die Dürftigkeit, und still erträgt er sie.
Der, der die Lilien so majestätisch kleidet,
Den Hirsch zur Quelle führt, das Schaf in Auen weidet,
Den jungen Raben speist, sorgt der für Menschen nicht?
Er sorgt; ich hoff auf ihn. Geduld ist meine Pflicht.
Verleumder schmähen ihn. Es schmerzt; doch ein Gewissen,
Das uns mit Beyfall lohnt, hilft diesen Schmerz versüssen.
Der Feind, den er genährt, raubt ihm sein Eigenthum;
Doch, wer das Unrecht trägt um Gutes, das ist Ruhm.
Der Tod der Seinigen schlägt seine Ruhe nieder;
Er weint, und tröstet sich: Bald seh ich dort sie wieder.
Sein Glaube wird verfolgt; doch, flüchtig und entblößt,
Bekennt er treu den Herrn, der theuer ihn erlöst,
Und spricht, vom schwersten Schlag des Arms des Herrn getroffen:
Wenn du mich tödten wolltst, werd ich auf dich doch hoffen!
So siegt der Christ im Kreuz und findt im Elend Ruh.
Doch du, des Christen Tod, wie feyerlich bist du?
Bestürzt verkündigt ihm der Arzt ein nahes Ende.
Er hörts, fühlt neue Kraft, drückt dankbar ihm die Hände.
So ist, Allmächtiger! denn meine Hülfe nah?
Du rufst, hier bin ich, Herr! Preis und Alleluja
Sey dir, der seine Hand stets über mich gebreitet,
Dir, Gott! der bis ans Grab mich wunderbar geleitet!
Wie oft vergaß mein Herz sein Heil und seine Pflicht!
Doch giengst du, Heiliger! nicht mit mir ins Gericht.
Vernimm des Dankes Lied, das ich dir sterbend bringe.
Ich bin viel zu gering, der Treu viel zu geringe
Und der Barmherzigkeit, die du an mir gethan.
Frohlockend bet ich dich mit allen Himmeln an,
Dich, Heil der ganzen Welt! Erfülle mein Vertrauen,
Und deine Herrlichkeit laß meine Seele schauen.
Du bist die Lieb, o Gott! und Gnade für und für.
Mein Geist wird selig seyn; denn ihn befehl ich dir.
Mit allen Heiligen, von Herrlichkeit umgeben,
Unsterblich, Engeln gleich, werd ich dich schaun und leben.
Und du, mein bester Freund, der sich den Ruhm erwirbt,
Im Tod es mir zu seyn, leb wohl! — Er sprichts, und stirbt!
Ist dieß des Christen Bild, das Herz, die Pflicht des Christen,
Was lästerst du, sein Feind? Ists Thorheit, frey von Lüsten,
Gottselig und gerecht, und treu, und mäßig seyn?
Sich der vollbrachten Pflicht und seines Lebens freun?
Gesundheit, Ehr und Ruh, und Glück, zu schätzen wissen?
Wer soll denn sonst das Glück, dein Freund zu seyn, geniessen?
Der Mann, der keinen Gott und keinen Himmel glaubt,
Kein Recht und Unrecht kennt, sich, was er will, erlaubt,
Dir Ehre, Ruh und Glück, und selbst dein Weib entwendet,
Des Sohnes Herz verführt, und deine Töchter schändet?
Doch, sprichst du, werden auch viel solcher Christen seyn,
Wie sie dein Lied besingt? Wahr ists, die Zahl ist klein;
Doch was beschwerst du dich? Anstatt dich zu beschweren,
Daß ihrer wenig sind: so hilf die Zahl vermehren.
Nein, sprichst du, die Vernunft ist mir ein heller Licht:
Ihr folg ich. Folg ihr nur, sie hintergeht dich nicht.
Sprich sie bedachtsam an, die Wahrheit dir zu zeigen;
Doch laß das Vorurtheil, laß deine Lüste schweigen;
Dann höre, was sie spricht: sie wird dir laut gestehn,
Ein menschlichs Werk zu seyn, sey stets die Schrift zu schön.
Entblößt von deinem Stolz, wag dich in ihre Tiefen.
Prüf alles. Wer verwirft ein Werk, ohn es zu prüfen?
Frag sie: was ist der Mensch? Was soll er auf der Welt?
Er ist der Allmacht Werk, die liebreich ihn erhält.
Unsterblich ist sein Geist, und soll zu Seligkeiten,
In dieser Welt der Müh, durch Tugend sich bereiten.
Antwortet die Vernunft, wenn sie der Weise fragt,
So göttlich, als das Wort, dem dein Verstand entsagt?
Frag sie, woher es kömmt, wenn Gott die Welt regieret,
Daß oft die Tugend seufzt, das Laster triumphiret?
Frag die Vernunft. Sie schweigt. Frag die Religion.
In jener Welt, spricht sie, vertheilt Gott Straf und Lohn.
Du spottest stolz der Schrift, nennst sie den Witz der Blöden,
Doch laß die Sokraten von Gott und Tugend reden;
Spricht einer so gewiß, mit so viel Kraft und Licht,
So zuversichtlich schön, als ein Apostel spricht?
Des Witzes Fürst, Homer, singt seiner Gottheit Rechte.
Wer ist sein Zeus? ein Gott, der ich nicht werden möchte.
Ihn kleide noch so schön die Pracht der Dichtkunst ein,
Ich bin zu stolz, sein Freund, und auch er selbst, zu seyn.
Doch welchen Gott der Macht erheben Davids Chöre?
Warum verkündigen den Gott nicht die Homere?
Das Volk des Heidenthums, verführt vom blinden Wahn,
Ruft hier ein Thier, als Gott, dort Pflanzen betend an;
Giebt erst durch seine Kunst dem Klotze Haupt und Glieder,
Und fällt dann vor dem Gott, den es gezimmert, nieder;
Erhebt das Laster selbst, das es mit Scheu begeht,
Zum Gott, um dessen Schutz das Blut der Opfer fleht;
Warum entrissen die, die sich in Weisheit übten,
Und einen bessern Gott und beßre Sitten liebten,
Warum entrissen sie, Gott und der Tugend treu,
Das Volk dem Laster nicht, nicht der Abgötterey?
Warum gehorcht die Welt der Stimme blöder Jüden?
Sie reden; und ihr Wort sät Weisheit aus und Frieden.
Thut Busse! sprechen sie, dieß ists, was Gott gebeut.
Entblößt von Wissenschaft, fern von Beredsamkeit,
Tritt ein Apostel auf, und kündiget den Lüsten
Den Krieg gottselig an; und Heiden werden Christen.
Man widersetzt sich ihm. Der Weise schmäht das Wort.
Bestrafet und beschimpft stößt man den Lehrer fort.
Er duldet froh die Schmach, mit der man ihm begegnet;
Man droht, er zittert nicht; man fluchet ihm, er segnet,
Redt freudig vor dem Volk, und muthig vor dem Thron,
Und redt in Banden noch das Wort von Gottes Sohn;
Und seine Lehre siegt. Schon stürzen die Altäre,
Von Hoheit, Ehr und Glück, von der Gewalt der Heere,
Dem Arm des Vorurtheils, des Lasters und der List,
Vergebens unterstützt. Der Heide wird ein Christ.
Er glaubt, bezwingt sein Herz, bezwingt des Lasters Mächte;
Und Sklaven wilder Lust sind plötzlich Gottes Knechte.
Schon eilen auf ihr Haupt Verachtung, Schmach und Spott.
Verleugnet euern Herrn; nein! unser Herr ist Gott.
Man wütet, und umsonst! der Christ erträgt die Leiden,
Und in des Henkers Arm des Todes Quaal mit Freuden.
Die Lehre Jesu siegt. Hat Gott sie nicht geschützt,
Sie nicht durch Kraft und Geist, durch Wunder unterstützt:
So mußt du dieß, daß sie hat Beyfall finden können,
Und daß sie sich erhielt, der Wunder Wunder nennen.
Du siehst viel Zweifel. Gut! Siehst du nicht auch viel Licht?
Wenn du Beweise siehst; dann ist der Glaube Pflicht.
Der Wahrheit heimlich feind, sinnreich in eitlen Fragen,
Hängst du dem Zweifel nach, und magst ihm nicht entsagen.
Prüf die Religion; doch denk auch was du bist.
Daß dein Verstand umschränkt und Gott unendlich ist.
Thu ihren Willen treu; dann wirst du inne werden,
Sie sey des Himmels Geist und nicht der Witz der Erden.
[Der Stolz.]
Der du zu deiner Ruh dein Nichts so gern vergißt,
Und desto mehr dich dünkst, je weniger du bist,
Mensch! was erzeugt den Stolz, mit dem dein Herz sich nähret?
Nur dein Verdienst dir rühmt und Beßrer Werth entehret,
An Andern hassest du des Stolzes Eitelkeit,
Und sklavisch machst du ihn zum Herrn, der dir gebeut.