Ueberwind ihn durch Vertraun,
Sprich: Ich weis, an wen ich gläube,
Und ich weis, ich werd ihn schaun
Einst in diesem meinem Leibe.
Er, der rief: Es ist vollbracht!
Nahm dem Tode seine Macht.
Tritt im Geist zum Grab oft hin,
Siehe dein Gebein versenken;
Sprich: Herr, daß ich Erde bin,
Lehre du mich selbst bedenken;
Lehre du michs jeden Tag,
Daß ich weiser werden mag!
[Wider den Aufschub der Bekehrung.]
Willst du die Busse noch, die Gott gebeut, verschieben:
So schändest du sein Wort, und mußt dich selbst nicht lieben,
Ist deine Besserung nicht deiner Seele Glück?
Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick?
Allein wie schwer ists nicht, sein eigen Herz bekämpfen,
Begierden widerstehn, und seine Lüste dämpfen?
Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh
Ist dieß der einzge Weg. Und dem entsagest du?
Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie vergessen?
Nach deinen Kräften selbst hat er sie abgemessen.
Was weigerst du dich noch? Ist Gott denn ein Tyrann,
Der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann?
Sprich selbst: gewinnet Gott, wenn ich ihm kindlich diene,
Und, seiner werth zu seyn, im Glauben mich erkühne?
Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr, gebeut,
Wem dienst du? Ringst du nicht nach deiner Seligkeit?
Was weigerst du dich noch, das Laster zu verlassen?
Weil es dein Unglück ist, befiehlt es Gott zu hassen.
Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu seyn?
Weil sie dich glücklich macht, befiehlt sie Gott allein.
Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen.
Soll er durch Allmacht dich, ihm zu gehorchen, zwingen?
Er gab dir die Vernunft; und du verleugnest sie?
Er sendet dir sein Wort; und du gehorchst ihm nie?
Sprich nicht: Gott kennt mein Herz; ich hab es ihm verheissen,
Mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszureissen;
Itzt ist dieß Werk zu schwer. Doch diese Schwierigkeit,
Die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit?