Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befohlen,
Je stärker wird der Hang, die That zu wiederholen.
Scheust du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu seyn:
Um wie viel weniger wirst du dich morgen scheun!

Ist denn die Buß ein Werk von wenig Augenblicken?
Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut entrücken?
Ist ein Geschrey zu Gott, ein Wunsch nach Besserung,
Und Angst der Missethat, die wahre Heiligung?

Ists gnug zur Seligkeit, des Glückes der Erlösten,
Wenn uns der Tod ergreift, sich sicher zu getrösten;
Ist das Bekenntniß gnug, daß uns die Sünde reut:
So ist kein leichter Werk? als deine Seligkeit.

Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen;
Ist keine Seele rein, der Glaub und Liebe fehlen;
Ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst:
So zittre vor dir selbst, wenn du dieß Werk verschiebst.

Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Geschäffte?
Nein, Mensch! Und du verschmähst des Geistes Gottes Kräfte?
Erschreckt dich nicht sein Wort? Giebt in verkehrten Sinn
Den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuletzt dahin?

Hat Christus uns erlöst, damit wir Sünder bleiben,
Und, sicher durch sein Blut, das Laster höher treiben?
Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht:
So ist es nicht von Gott. Gott widerspricht sich nicht.

Noch heute, weil du lebst, und seine Stimme hörest,
Noch heute schicke dich, daß du vom Bösen kehrest.
Begegne deinem Gott, willst du zu deiner Pein
Dein hier versäumtes Glück nicht ewig noch bereun.

Entschliesse dich beherzt, dich selber zu besiegen;
Der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen.
Was zagst du? Geht er gleich im Anfang langsam fort;
Sey wacker! Gott ist nah, und stärkt dich durch sein Wort.

Ruf ihn in Demuth an; er tilget deine Sünden.
Und läßt dich sein Gesetz erst ihren Fluch empfinden:
So widerstreb ihm nicht; denn Gottes Traurigkeit
Wirkt eine Reu in dir, die niemals dich gereut.

So süß ein Laster ist, so giebts doch keinen Frieden.
Der Tugend nur allein hat Gott dieß Glück beschieden.
Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Theil;
Ein Mensch, der Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil.