Aber um Ihnen eine Probe von meiner Uneigennützigkeit zu geben: so muß ich Ihnen gestehen, daß, wenn ich gleich zuweilen dadurch eines Theils Ihres Andenkens, ja sogar Ihres persönlichen oder schriftlichen Umganges (nur nicht Ihrer Freundschaft) beraubt seyn sollte; ich Ihnen doch einen etwas ausgebreitetern Umgang wünschte, und zwar vornehmlich unter Ihrem eignen Geschlechte. —
„Unter meinem eignen Geschlechte? Wie können Sie mir etwas wünschen, wovon ich Ihnen so oft gesagt habe, daß ich es nicht zu meiner Glückseligkeit rechnen würde, wenn ich es hätte?“
Aber wollten Sie mir wohl noch einmal die Ursachen wiederholen, warum Sie es nicht darunter rechnen?
„Was habe ich nöthig, Ihnen das erst zu sagen? Sollten Sie nicht wissen, wie leer der Umgang mit den mehresten Frauenzimmern ist; wie wenig sich mit —“
ihnen anfangen läßt, wollen Sie sagen. Zum Unglück wahr genug! Aber warum wollen Sie nicht daran arbeiten helfen, daß ihr Umgang lehrreicher werde, daß sich mehr mit ihnen anfangen lasse? Was würde aus dem niedrigern Theile unsers Geschlechts, oder des menschlichen Geschlechts überhaupt werden, wenn sich der edlere Theil demselben entziehen wollte, und ihm mit seinem Umgange zugleich die Mittel benähme, ihm ähnlich zu werden?
„Aber ich habe nicht eben den Beruf, und auch nicht das Vermögen, eine Verbesserin zu seyn. — Ueberdieß, wozu bedarf ich den Umgang? Ich habe meinen Gatten, den liebe ich; und die Stunden, die er nicht bey mir ist, sind gut genug mit der Erwartung von ihm ausgefüllt; wenn noch ein kleines unbefriedigtes Verlangen in meinem Herzen übrig wäre, so würde die Freundschaft von zwey oder drey Freunden meines Mannes es doch ganz ausfüllen. Und endlich —“
Und was endlich?
„Sie wissen, ich liebe meinen Mann über alles — ich wünsche, daß er mich über alles liebt —“
Und was denn also —?