„Ich würde es nicht leiden können, wenn eine meiner Freundinnen ihm eben so gut gefiele, daß ich nicht mehr gewiß genug seyn könnte, daß seine Frau ihm noch besser gefiele.“

Mich dünkt, Sie würden (wenn Sie mir meine Freymüthigkeit vergeben wollen) diesen Bewegungsgrund nicht zuletzt angeführt haben, wenn Sie den stärksten hätten zuerst anführen wollen.

„Gut! lassen Sie es seyn, daß es der stärkste ist. Ja, ich bin eifersüchtig; und man kann gar nicht lieben, ohne eifersüchtig zu seyn. — Ich kann sogar keine Freundschaft für echt halten, die ihren Freund so ruhig mit Vielen theilen kann. Hüten Sie sich, daß nicht Ihr Rath, meinen Umgang zu erweitern, mich argwohnen läßt, daß Sie ihn nicht mehr so eifrig für sich selbst wünschen.“

Das können Sie im Ernste nicht denken; — noch viel weniger, wenn Sie meine Gründe hören.

„Und diese Gründe?“

Nur noch einen Augenblick Geduld! Sagen Sie mir, haben Sie nicht gehört, daß die Natur mit jeder Neigung, die sie uns giebt, oder mit jedem Vergnügen, das Sie uns genießen läßt, eine andre Absicht habe, als dieß Vergnügen selbst?

„Ums Himmels willen! so weit müssen Sie ausholen? Sie werden doch nimmermehr die halbe Metaphysik abschreiben müssen, um mich zu bewegen, daß ich ein halb Dutzend Karkassen in meiner Stube zusammen bringe.“

Nun gut also, wenn ich Sie nicht mit der Ueberzeugung überraschen kann, so will ich sehen, ob ich mit offenbarer Gewalt gewinne. — Sie sind eine Ehegattin, aber auch zugleich ein Frauenzimmer und eine Mutter.

„Ja, eine Mutter! Und eben deswegen, weil ich diesen süßen, ehrwürdigen Namen trage, brauche ich weniger als jemals eine Gesellschaft, die mir blos die Zeit vertreiben soll. Meine Wilhelmine und mein Mann werden mir bald die Stelle der ganzen Welt ersetzen. Aber ein Frauenzimmer auch, sagten Sie, wäre ich; was soll das zur Sache?“

Als Frauenzimmer müssen Sie nothwendig die allervertrauteste Freundschaft, die möglich ist, nur mit einem Frauenzimmer haben können.