„Und die Ursache davon?“

O hätten Sie nur erst diese Ihnen verwandte Seele unter Ihrem eignen Geschlechte gefunden; kennten Sie nur erst das Frauenzimmer, das würdig wäre, Ihre Freundin zu seyn: dann würden Sie mir die Frage selbst beantworten. O wie glücklich würde ich seyn! Ihre Vertraute würde auch meine Freundin seyn. — Sie kennen Julie und Claire; Clarissa und Howe. Sagen Sie mir, wäre es möglich, daß eine von beyden an die Stelle ihrer Freundin einen Freund gesetzt hätte, ohne daß doch das Wesen ihrer Freundschaft zerstört worden wäre?

„Wie? also giebts gar keine Freundschaft unter den beyden Geschlechtern? Also sind Sie nicht mehr mein Freund?“

Nicht so hitzig, liebste Freundin! Ich denke nicht, daß ich unsre Freundschaft herunter setze, wenn ich sage, daß es noch eine höhere giebt, — aber keine höhere, wenn die Wahl wieder auf eine Mannsperson fällt. — Wenn ich aber einem Frauenzimmer den Vorrang gebe, so denke ich, ich bin blos großmüthig, nicht kaltsinnig.

„Gut! Eine Freundin ließ ich mir gefallen, eine ganz vertraute Freundin, wenn ich sie hätte. Aber wozu der Umgang mit Vielen?“

Um diese Eine darunter zu finden. Muß man nicht erst wählen können, ehe man sich entschließt?

„Und dann — als Mutter, sagten Sie auch, müßte ich mit Frauenzimmern Umgang haben. — Eine beständige Zerstreuung ist wohl also ein gutes Mittel, seine mütterliche Pflicht zu erfüllen?“

Nein, die größte Hinderniß, glaube ich. Aber nicht aller Umgang ist eine Zerstreuung, die schädlich wäre.