»Wie? Die hübsche kleine Grete hat das Herz des Menschenfeindes bezwungen?« rief Eduard in höchstem Erstaunen. »Alle Wetter, das ist charmant! Aber wie kommt das, wie in aller Welt ist das zugegangen? Und das ist alles gleich fix und fertig wie aus der Pistole geschossen?«

»Weil ich gesehen, daß sie Neigung zu mir hat,« sagte der Baron kurz und trocken.

»Sieh da, was man nicht alles erlebt. Du bist ja ein wahrer Hexenmeister!« lachte Eduard. »Also du weißt wirklich ganz sicher, daß sie dich liebt? Hat sie es dir denn gesagt!«

»Nicht in Worten, aber was mehr ist als das, durch ihre Blicke und ihre Thaten,« entgegnete der Baron.

»Die kleine Grete hat mit dir kokettirt? Potz Blitz, das hätte ich dem frischen Waldröschen kaum zugetraut!« rief Eduard unaussprechlich ergötzt; denn er merkte wohl, daß hier nicht alles ganz richtig war, und daß der Baron in seiner Wunderlichkeit wohl mehr gesehen und vermuthet hatte, als an der Sache war.

»Von Koketterie kann hier nicht die Rede sein,« sagte der Baron beleidigt. »Das junge Mädchen hat mir unbewußt gezeigt, daß ich ihr nicht gleichgültig bin, und deshalb verlangt es mich, die Rose zu pflücken, die sich mir in aller Lieblichkeit erschließt.«

»Wetter, du wirst ja ganz poetisch, alter Junge!« rief Eduard, sich auf die Lippen beißend. »Also aus reiner ritterlicher Aufopferung erhebst du das kleine Mädchen zu deiner Gemahlin? Bringst du ihr denn selbst die gleichen Gefühle entgegen, die du bei ihr vermuthest?«

»Eduard,« sagte der Baron jetzt einen Grad wärmer und vertraulicher werdend, »Eduard, du weißt, daß ich von meiner Familie gedrängt und bestürmt werde, mich zu verheirathen. Alle möglichen Vorschläge haben sie mir schon gemacht, mir die reichsten, vornehmsten Mädchen angepriesen; aber ich mag sie alle nicht, ich kann das hochmüthige Weibervolk nicht ausstehen. Lachen und spotten sie nicht alle über mein steifes, ernsthaftes Wesen, haben sie mich nicht alle zum Besten und mögen mich nicht leiden, und würden sie mich nicht alle nur wegen meines Reichthums und meines alten Adels heirathen, um mich dann mit ihren Launen vor Verzweiflung zum Hause hinaus zu jagen? Nein, aus solcher Heirath wird nie etwas! Ich wollte nun gar nicht heirathen, das hielt ich für das Beste. Aber in diesen letzten Tagen bin ich anderen Sinnes geworden. Margarethe Geßler ist das erste weibliche Wesen, das mir Achtung und Vertrauen statt des Spottes entgegen brachte, ich habe es deutlich in ihren Augen gelesen, und darum bin ich fest entschlossen sie zu heirathen.«

»Hm, das ist merkwürdig!« sprach Eduard, nachdenklich geworden. »Aber noch einmal: Was sagt denn dein Herz zu diesem Entschlusse? Ist es nur Mitleid mit dem holden Kinde, das dich dazu drängt, ihr deine Hand anzubieten?«

»Ich bin sehr einsam, Freund, und mein Herz hatte bis jetzt selten Gelegenheit mitzusprechen,« sagte der Baron mit zitternder Stimme. »Die Neigung eines so jungen, liebenswürdigen Wesens kann mich nicht ganz gleichgültig lassen, und was meiner Neigung jetzt noch fehlt, wird kommen, wenn sie meine Gattin ist.«