»Aber Freund, bedenke, ein so junges Kind!« mahnte nun Eduard den Kopf schüttelnd. »Sie ist ja kaum sechzehn Jahre alt.«
»Jugend ist kein Fehler,« entgegnete der Baron gleichmüthig.
»Aber sie ist bürgerlicher Abkunft und deine Familie von altem Adel! Bedenke, was werden die Deinen dazu sagen? Du, der Erb- und Standesherr auf und zu Senftenburg!« fuhr Eduard dringend fort.
»Geht keinen was an, ich bin selbständig und brauche sie alle zusammen nicht!« rief der Baron kurz. »Sage mir nur, ob du in meinem Namen den Antrag machen willst. Es selbst zu thun, habe ich weder Gelegenheit noch Gewandtheit genug.«
»Herzlich gern. Aber vergilt es mir nicht, wenn die Antwort anders ausfällt, als du erwartest,« sagte Eduard, dem Baron die Hand reichend.
»Darüber mache dir keine Sorgen; mein Dank für die endliche Erreichung meiner Wünsche mag der Lohn für deinen Freundschaftsdienst sein,« entgegnete der Baron warm und herzlich.
Darauf verabschiedete er sich bald, und Eduard suchte mich auf, um mir die Neuigkeit augenblicklich zu verkünden und meine Hülfe in Anspruch zu nehmen, da er dir selbst den Antrag nicht überbringen mochte. Nun wißt ihr die ganze schöne Geschichte, und ich denke, unser liebes Tantchen sieht die Angelegenheit nicht mehr mit so tragischer Miene an, als vorher. Denn da das Herz unserer Grete sich hoffentlich nicht in so desolatem Zustande befindet, als der gute Baron glaubt, dies aber, wie er ziemlich deutlich ausgesprochen, die Haupttriebfeder zu seinem Antrage war, so fällt die ganze Sache in sich selbst zusammen, und wir dürfen uns weiter keinen Kummer darüber machen, daß dem Baron das Herz davon brechen wird.«
»So leicht möchte ich denn doch nicht darüber hingehen, liebe Marie,« sagte die Tante noch immer ernst, als Marie ihre Erzählung geschlossen. »Seine eigene Neigung mag allerdings nicht die erste Triebfeder zu dem Antrage gewesen sein, darüber ist wohl kein Zweifel, aber wie weit sein Herz dennoch trotz all dem dabei betheiligt war, werden wir freilich nicht erfahren. Ich muß gestehen, es gefällt mir sehr von ihm, daß er sich ohne alle andern Rücksichten ein einfaches Mädchen erwählt, nur weil sie ihn lieb hat, wie er meint, und er thut mir noch immer aufrichtig leid, daß er sich nun wieder in die vorige Einsamkeit gewiesen sieht.«
»Aber seiner Eitelkeit kann die kleine Lection wahrlich nicht schaden, Tantchen!« sagte Marie eifrig. »Er muß sich doch für sehr anziehend halten, daß er meint, ein so nettes Mädel, wie unsere frische kleine Rose, sei knall und fall bis über die Ohren in ihn verliebt, nur weil sie ihm einige Freundlichkeiten erzeigte.«
»Ich habe dir unser gestriges Zusammentreffen noch nicht erzählen können, das den Baron in dieser Meinung sehr bestärken konnte, Marie,« sagte ich verschämt; Marie aber meinte, es werde auch weiter nichts gewesen sein, und daß der Herr Baron bei dieser Gelegenheit einmal erfahre, es giebt noch junge Mädchen in der Welt, die Reichthum und vornehme Stellung nicht so hoch anschlagen, um damit ihre fehlende Neigung zu verdecken, sei ihm auch ganz zuträglich.