»Wie himmlisch altmodisch alles bei dir ist, Tantchen!« rief sie dann lachend. »Den alten Plunder hätte Mama längst zum Trödler geschickt. Wir hatten alle paar Jahr unsere neue Einrichtung.«
Ich erstarrte ordentlich über Eugeniens Reden. Diese schönen, gediegenen, kostbaren Meubles und geschmackvollen Einrichtungen nannte sie alten Plunder! Hier, wo ich in den ersten Tagen meines Aufenthaltes mich kaum zu bewegen wagte vor Hochachtung gegen die kostbaren Dinge, die mich umgaben, hier hörte ich dieselben Gegenstände als altmodischen Trödel verachten! Das war denn doch zu arg, und angstvoll blickte ich zu der Tante hin, um zu erfahren, was sie dazu sagte.
Sie erröthete leicht und biß sich auf die Lippen. Dann aber sprach sie gelassen: »An diesen alten Meubles hängt der Zauber schöner Erinnerungen, Eugenie. Sie waren Zeugen meiner glücklichsten Tage und sind mit mir alt geworden. Ich möchte kein Stück davon missen oder gegen etwas Neues vertauschen, denn sie sind alle mit mir und meinem Geschick verwachsen. Wer stets neue Umgebung liebt, der denkt entweder nicht gern an die vergangenen Tage, oder hat einen weltlichen, unruhigen Sinn, für den nur das Neue Reiz und Werth besitzt.«
Eugenie sah mit wunderlicher Miene nach der Sprechenden, halb war ihr lächerlich, halb ernsthaft zu Sinne. »Was du für hübsche Gedanken hast, Tantchen,« sagte sie unbefangen. »Sie passen prächtig zu den alten Meubles, sie sind eben so ehrwürdig und altmodisch wie diese. Aber du hast Recht! Was du da sagtest, gefällt mir; es war mir noch nie eingefallen.«
»Du hast wahrscheinlich an gar vieles noch nicht gedacht, Kind, was wahr und gut ist,« sagte die Tante sanft. »Ich hoffe, das wird nun kommen.«
Eugenie setzte sich still und etwas empfindlich wieder in ihren Stuhl, und ich brachte ihr eine Tasse Thee.
»Ich mag keinen Thee, mir ist heiß genug!« sagte sie verdrießlich und schob die Tasse unsanft zurück, so daß der Thee auf mein Kleid floß. Ich wandte mich schnell ab, denn ich ärgerte mich unbeschreiblich über das launische Mädchen, die Tante aber sagte sehr bestimmt, obwohl ruhig:
»Du wirst jetzt diese Tasse Thee trinken, Eugenie; denn erstens thut er dir nach der Reise gut, und zweitens ist er so eben von Gretchen für dich bereitet worden. Du hättest ihr die Mühe sparen können, wenn du vorher wußtest, daß du keinen trinken wolltest.«
Eugenie fuhr verwundert ein wenig vom Sitz auf und wurde dunkelroth. Sie saß ein Weilchen noch wie ein trotzig Kind in ihrem Stuhle und beguckte ihre weißen Fingernägel, dann richtete sie sich plötzlich rasch empor, zog die Theetasse heran, that Sahne und Zucker hinein, trank den Thee in einem Zuge aus und schob mir die leere Tasse hin. »Noch eine, Gretchen!« sagte sie gebieterisch. Ich goß ein, und nun trank sie die zweite Tasse eben so schnell hinunter, indem sie mir abermals die leere Tasse hinschob und »noch eine!« rief.
Ich sah die Tante fragend an, denn offenbar war Eugenie trotzig und wollte die Tante reizen. Diese aber sagte ganz ruhig: »Nein Gretchen, gieße keinen Thee weiter ein, Eugenie würde sich schaden.«