»Sage mal, du kleiner Vernunftkasten, wie alt bist du denn eigentlich, daß du dir heraus nimmst, mir gute Lehren zu geben?« fuhr Eugenie dann fort, indem sie mich mit Semmelkrümchen warf. »Bist du denn schon aus dem dummen Vierteljahr heraus? Du scheinst mir eigentlich noch ein Backfischchen zu sein. Zählst du schon vierzehn Jahre und sieben Wochen?«
»O ja, die liegen glücklich hinter mir, wenn auch noch nicht lange,« sagte ich lächelnd und warf ihr die Semmelkrumen wieder in das Gesicht.
»Wie kannst du dich aber »Gretchen« nennen lassen!« sprach Eugenie weiter. »Das klingt wie lauter Idylle, und die kann ich nicht leiden. Ich werde dich Marguerite nennen, oder auch Gänseblümchen, was ja dasselbe bedeutet.«
»Und was sehr bezeichnend für das simple Backfischchen ist, nicht wahr?« fuhr ich neckend fort, denn ich fühlte recht gut, daß sie mir einen Hieb versetzen wollte.
»Nun dumm bist du nicht, wenn auch simpel!« warf Eugenie leicht hin.
»Nicht so dumm als ich aussehe,« sagte ich lachend.
»Hm! wer sagt dir, daß du so aussiehst?« rief Eugenie rasch. »Ich nicht, denn ich finde dich im Ganzen passabel hübsch.«
»Du meinst la beauté du diable von sechszehn Jahren, wo jedes Mädchen niedlich ist, weil sie frische Farben und jugendliche Formen hat?« warf ich spottend ein.
»Ach mit dir streite wer Lust hat, du bist eine Hexe!« rief Eugenie, mir ein ganzes Milchbrod auf den Rücken werfend, da ich ihr gerade denselben zuwandte.
»Geh nicht so schlecht mit der edlen Gottesgabe um, Eugenie!« sagte ich vorwurfsvoll, die Semmel wieder auf den Tisch legend. »Die Tante leidet es niemals, daß man mit Brod spielt.«