»Um Gottes Willen, da will ich es lassen!« rief Eugenie im komischen Schrecken, »ich muß sonst am Ende auch alles Brod genießen, woraus ich Kugeln und Figuren gedreht habe, wie vorhin deinen gräßlichen Thee, von dem mir noch der Kopf brennt wie Feuer.«
»Weil du unvernünftig dabei warst, wenn ich es dir ehrlich sagen soll,« rief ich, das Theegeschirr zusammen setzend.
»Ich muß doch sehen, ob Tante wieder Lust hat, mich zu verschlingen wie vorhin,« sagte Eugenie jetzt muthwillig und ging nach Tante's Zimmerthür, und noch ehe ich sie voll Schrecken zurückhalten konnte, warf sie mir ein Schnippchen zu und war hinter der Thür verschwunden.
»O mein Gott, ist das ein Mädchen!« rief ich, indem ich ihr angstvoll nachblickte, denn nie hatte ich es gewagt, die Tante zu stören, wenn diese sich zurück gezogen hatte, und sie wagte es, nachdem sie dieselbe durch ihre Unarten so erzürnt hatte! Ich lauschte aufmerksam, ob ich heftigen Wortwechsel hören würde; aber es dauerte nicht lange, so erklang Eugeniens kindlich helles Lachen, die Thür öffnete sich, und von ihrer Nichte zärtlich umschlungen, trat die Tante mit dieser in das Zimmer.
»Du brauchst dir nicht einzubilden, daß du die Versöhnung verursacht hast, heilige Margaretha,« sagte Eugenie, den Kopf aufwerfend, aber ein freundlicher Blick Tante Ulrike's sagte mir, dies sei allerdings der Fall. Nun ich freute mich, die gute Tante wieder heiter zu sehen, die Ursache davon mochte ich oder jemand anders sein.
»Jetzt komm nach deinem Zimmer, mein Kind!« sagte die Tante, Eugenie in ihr freundliches Stübchen führend, welches an unser Schlafzimmer grenzte.
Ich hatte schon gefürchtet, Tante würde mich mit in Eugeniens Zimmer einquartiren, was mir sehr leid gethan hätte, da mir unser trauliches Stübchen herzlich lieb geworden war, nachdem ich so manchen schweren Augenblick darin überstanden hatte. Aber mein Gardinenbettchen stand nach wie vor an seinem alten Flecke, und von einer Aenderung war keine Rede.
Eugeniens Zimmer hatte eine ungemein zierliche, obwohl einfache Einrichtung, und augenscheinlich machte es auf das verwöhnte Kind einen angenehmen Eindruck, denn sie sprang singend und übermüthig von einem Gegenstand zum andern.
»Aber hier die stolze Landschaft muß fort!« rief sie plötzlich, vor dem kleinem Kamin stehen bleibend, über welchem ein schöner Claude Lorrain aufgehängt war. »Hier kommt mein herzig liebes Väterchen hin, obwohl der böse Mensch eigentlich gar nicht verdient, daß ich ihn noch ansehe, seit er mich so treulos verlassen und mich den barbarisch grausamen Händen einer gewissen Frau Ulrike überantwortet hat. Geschwind, Lisette, ausgepackt, daß ich meinen Papa endlich wieder unter den Augen habe; er kennt mich doch am Besten von allen Menschen, und weiß, ob ich so schlecht bin, als gewisse Leute von mir denken.«
Dabei riß sie ungeduldig an den Schnüren und Pappen, welche ein großes Bild umhüllten, das Lisette so eben aus einer der vielen Kisten heraus genommen. Aber trotz ihres Eifers gelang es ihr nicht, das Bild aus seiner Umhüllung zu lösen, so daß ich endlich zugriff und ihr die Sache abnahm.