Ich war empört. Meine Marie, meine vergötterte, herrliche Freundin so zu schmähen, es war abscheulich! Ich wollte eben einige rechte bitterböse Worte erwidern, da fühlte ich mich plötzlich von hinten umschlungen, und Eugeniens schönes Gesicht blickte voll Schelmerei in meine feuchten Augen.

»Richtig, das Wetter wird gleich losbrechen!« rief sie, und küßte mich. »Schleudere deine Blitze nur herab auf mein reuig Haupt, o Kronion, ich verdiene es nicht besser!«

Nun mußte ich wieder lachen, wo ich böse sein wollte, es war nicht auszuhalten mit diesem Mädchen!

»Was machst du denn eigentlich da?« fragte Eugenie und nahm mir meine Arbeit aus der Hand.

»Etwas sehr Häusliches und Prosaisches, wie du siehst, ich stopfe Strümpfe.«

»Du stopfst sie? Um's Himmels willen, warum thust du denn das, das macht doch kein anständiges Menschenkind selbst!«

»Ich wüßte nicht, was bei solcher Arbeit Entehrendes wäre? Die Tante sagt, je weniger Hülfe wir von Anderen brauchten, je besser wären wir daran, denn um so unabhängiger machte man sich von anderen Menschen.«

»Hm, das ist nicht dumm. Machst du dir noch mehr selbst, auch etwa die Kleider und das Weißzeug?«

»Die Wäsche und Kragen natürlich. Und die Tante hat mir versprochen, ich solle auch das Schneidern erlernen, damit ich später auch meiner Mutter und den Schwestern die Kleider machen kann, denn auf dem Lande ist das doppelt angenehm.«

»Aber wo in aller Welt nimmst du denn die Zeit her zu all' den Arbeiten? Das brächte ich ja nun und nimmermehr zu Stande, und wenn der Tag Millionen Stunden hätte!«