Ich ging am andern Morgen zeitig wieder nach Eugeniens Zimmer, um zu hören, ob sie wieder ganz wohl sei, und heute empfing sie mich zwar eben so muthwillig wie gewöhnlich, aber doch herzlich und freundlich.

»Willst du meinem Lever beiwohnen, Gänseblümchen?« sagte sie, die Glocke ihres Nachttisches bewegend. »Du sollst auch die Ehre haben, mir höchst eigenhändig das reine Hemdchen über meinen jungfräulichen Nacken zu streifen, und niemand soll dir dein Amt streitig machen. Du kennst doch die schöne Geschichte von Ludwig XIV., der eine halbe Stunde ohne jegliche Hülle im Naturkostüme verharren mußte, nur weil jedesmal in dem Augenblicke, als der Vornehmste seiner Umgebung ihm besagtes Kleidungsstück überwerfen wollte, ein noch Vornehmerer in das Zimmer trat, dem dann dies höchste aller Aemter im großen Staate Frankreich übergeben werden mußte?«

Ich kannte die Geschichte wohl, ließ Eugenien jedoch ruhig erzählen und betrachtete mir indeß die schöne Stickerei ihrer Wäsche.

»Wie schön das alles ist!« sagte ich voll Bewunderung.

»Gefällt es dir?« entgegnete Eugenie gleichgültig. »Suche dir aus, was du willst, das Zeug ist mir alles egal.«

»Aber das kostet ja alles so viel Geld, Eugenie, egal kann es dir doch unmöglich sein!« wagte ich einzuwerfen.

»Bah, Geld!« rief sie achselzuckend. »Was kümmert mich das! Mama sagt, das sei Nebensache, Papa habe genug davon.«

»Aber du könntest es doch besser anwenden, als es so wegzuschleudern, liebe Cousine. Wie viel Freude könntest du Andern machen mit einem kleinen Theil dessen, was du so verschwendest.«

»Besser anwenden? Was meinst du damit, Kleine?«

»Nun wie gesagt, du könntest Andere damit glücklich machen, die weniger haben.«