»Wen meinst du denn? Lisetten gebe ich alles, was sie haben will, und wer mich sonst anbettelt, der bekommt auch immer etwas.«
»Laß gut sein, du verstehst nicht, wie ich das meine, liebe Eugenie,« schloß ich endlich. »Komm lieber und stehe auf, ich habe keine Zeit mehr zu warten.«
Eugenie rief Lisetten an das Bett und streckte derselben einen Fuß nach dem andern entgegen, woran die Zofe erst die feinen Strümpfe und dann die blauseidenen Pantoffeln streifte. Dann löste sie alle Knöpfe und Bänder an dem Nachtkleide der jungen Dame, und diese ließ alles geschehen ohne selbst auch nur einen Finger zu rühren. Ich schaute dem Dinge voll Verwunderung zu, sagte aber kein Wort; doch als sie fertig war, und Lisette ihr alle Knöpfe, Bänder und Haken wieder geschlossen und ihr den feinen weichen Morgenrock übergeworfen hatte, der durchweg mit weißer Seide gefüttert war, bat ich sie scherzend, sie möge nun auch einmal meinem Lever beiwohnen, um sich zu revanchiren. Das ergötzte sie sehr und sie versprach es. Natürlich glaubte ich nicht, daß sie es thun würde und war deshalb höchst erstaunt, sie wirklich am andern Morgen schon neben meinem Bette zu sehen, als ich erwachte.
»Nein solch' ein Faulpelz!« rief sie triumphirend, als ich sie voll Staunen anblickte. »Da nimm dir ein Beispiel an Eugenie, dem braven Mädchen, die hat schon seit drei Stunden Strümpfe gestopft!« Wirklich sah ich einen ganzen Berg Wäsche neben ihr aufgehäuft, und einen Strumpf über ihren Arm gezogen, focht sie mit langer Nadel und Faden heftig in demselben auf und nieder. Bald sah ich wohl, daß sie nur Scherz trieb und keine Idee von der Arbeit hatte, die sie vorgab, ich ignorirte es aber und blickte staunend auf sie hin. Ihr fröhliches Lachen fand dann natürlich sogleich Erwiederung, und ich fand nicht Worte genug, ihren Heroismus zu bewundern, bis sie endlich den ganzen Haufen Wäsche auf die Seite warf und sich im Lehnstuhle behaglich streckte.
»Aber nun rasch aus den Federn!« rief ich und griff nach meiner Wäsche und den übrigen Sachen.
»Machst du das denn selbst, Gänseblümchen?« sagte Eugenie erstaunt und sah auf meine Finger, welche schnell Bänder und Haken lösten und schlossen.
»Natürlich, das macht mir niemand anderes schnell und gut genug!« entgegnete ich. »Es wäre mir unerträglich, solch' Kammermädchen an mir herum zupfen und zerren zu lassen, und zu warten, bis es ihr gefällig wäre, mich zu bedienen. Selbst ist der Mann! Du glaubst nicht, wie angenehm es ist, alles selbst zu machen.«
»Ja diese Lisette ist ein gräulicher Tölpel!« sagte Eugenie nachdenklich. »Du glaubst gar nicht, wie sie mich quält und peinigt durch ihr Ungeschick! Und gerade wenn ich sie brauche, kann sie niemals kommen. Du bist zehnmal besser daran als ich, ich beneide dich wirklich!«
»Aber so versuche doch, dich einmal allein zu bedienen, liebes Herz, dann bist du allen Aerger los,« rief ich lachend und fuhr mit dem Kamme durch mein dichtes Haar.
»Ich kann es ja nicht! Mama sagt immer, es sei unschicklich, sich selbst zu bedienen.«