»Nun weißt du was? Ich werde dir helfen, bis du es kannst, willst du das, Eugenie?«
»Hm, ja, nein, wie du willst! Ich weiß selbst nicht!« stotterte Eugenie und drehte mein Haar um ihre Finger. »Du würdest doch davon laufen, denn ich quälte dich natürlich so lange, bis du es thätest,« setzte sie dann in ihrer lustigen Weise hinzu.
»Nun, darauf wollen wir es ankommen lassen! Soll ich morgen früh kommen?«
»Nein, ich mag nicht, es ist doch unbequem, und du bist mir ohnehin weise genug!« rief sie und warf sich wieder nachlässig auf den Lehnstuhl, ich aber ließ sie in Ruhe, denn hier stürmen oder drängen zu wollen, wäre sehr unklug gewesen. Aber siehe da, am folgenden Morgen saß Eugenie schon am Frühstückstisch, als die Tante und ich in das Zimmer traten, und auf unsere verwunderten Ausrufungen sagte sie leichthin:
»Ich ennuyire mich todt bei meiner einsamen Chocolade, ich will mit euch zusammen frühstücken. Und Gänseblümchen soll nur ihre Dienste Anderen anbieten, ich brauche sie nicht. Ich habe mir heute alles selbst gemacht, da seht her, ob's nicht ordentlich ist!«
Natürlich überhäuften wir sie mit Lobeserhebungen, aber die waren bei ihr nie angebracht, und in komischem Verdruß hielt sie sich die Ohren zu.
Dergleichen kleine Scenen wiederholten sich fast täglich, und so böse wir nur gar zu oft über das unverständige Mädchen sein mußten, eben so sehr söhnte uns bald darauf ihr gutes, herzvolles Betragen wieder mit ihr aus. Es lag ein Schatz von großem Werthe in diesem wunderlichen Geschöpfe, und wer nur die Geduld nicht verlor, der konnte in ihr noch viel Gutes erwecken. Tante Ulrike war ganz die Person dazu, das fühlte auch die leichtsinnige Eugenie gar wohl, und hing in ihrer Weise bald eben so innig an diesem trefflichen Wesen, als ich es in der meinen that. Daß auch ich mich bald der Gunst Eugeniens mehr zu erfreuen hatte, als ich je gehofft, erleichterte mir das Herz unbeschreiblich, liebte ich doch das reizende, wunderliche Mädchen trotz allem, was sie mir anthat, bald aus ganzer Seele.
Aber wie manches hatten wir im Anfange noch zu überwinden, ehe Eugenie etwas vernünftiger wurde! Ich besonders war stets die Zielscheibe ihrer losen Streiche, und doch wußte sie es immer wieder gut zu machen, wenn sie mich gekränkt oder geärgert hatte.
Eines Tages trat ich an meinen Arbeitstisch am Fenster und ordnete die rankenden Schlingpflanzen, welche sich an demselben hinzogen. Dabei wollte ich, wie ich täglich that, das Bild meiner lieben Marie begrüßen und hob die Blätter des Epheu empor, um es besser zu sehen.
Aber erschrocken fuhr ich zusammen, und mit bebender Hand griff ich nach dem geliebten Schatze, um mich zu überzeugen, ob ich mich täuschte. Nein es war kein Irrthum! Eine böse, frevelnde Hand hatte mir verdorben, woran mein ganzes Herz hing. Ein dicker, schwarzer Schnurbart deckte die feinen Lippen des netten Bildes und entstellte das zarte Gesicht der rosig frischen Blondine. Es war zu abscheulich, zu boshaft, und doch konnte man sich des Lachens über den sonderbaren Anblick nicht enthalten.